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Tollwut-Impfung vor der Reise in hochendemische Gebiete empfohlen

Eine Auswertung der eingeschleppten Tollwutfälle der letzten Jahre nach Europa ergab als Infektionsorte Indien, Sri Lanka, Philippinen, Marokko und Gabun. Über Infektionshäufungen wird regelmäßig aus Indonesien, Russland sowie  zentralasiatischen Ländern berichtet.

Allein in Indien kommt es jährlich zu etwa 30.000 Tollwutfällen. Auch in den beliebten Urlaubsländer wie der Türkei, Marokko, Thailand und Mexiko, besteht nach Tierkontakt durchaus die Gefahr einer Tollwut. Nach Erhebungen berichten 0,2% der Reisenden während des Urlaubs über fragliche Kontakte mit Hunden. Streunende Hunde oder Katzen, die auch in bewachten Clubanlagen in Urlaubsgebieten anzutreffen sind, stellen in endemischen Ländern eine potenzielle Infektionsgefahr da. Besonders bei längeren Reisen oder Langzeitaufenthalten erhöht sich das Risiko einer Tollwutexposition erheblich. 

Die Übertragung des Tollwutvirus erfolgt in den meisten Fällen durch Speichel infizierter Tiere, wenn dieser über eine Biss- oder Kratzverletzung eindringt. Auch Speichelkontakt mit vorgeschädigter Haut, zum Beispiel bei ekzematischen Veränderungen, ermöglicht ein Eindringen des Erregers. Bei der Fledermaustollwut kann die Infektion zudem über Aerosole oder Inhalation von virushaltigem Staub in von Fledermäusen bewohnten Höhlen erfolgen. Als Sonderfall ist die Übertragung von Tollwut durch Transplantation von Organen oder Geweben anzusehen.

Tollwut in Deutschland und Europa

Hauptüberträger der terrestrischen Tollwut ist in den meisten subtropischen und tropischen Regionen der Hund. Neben Hunden können jedoch Infektionen auch durch eine Reihe anderer Säugetiere, wie insbesondere Waschbären, Füchse, Katzen, Schakale und Kojoten übertragen werden. Das Tollwutvirus kann zudem auch durch Fledermäuse übertragen werden. Fledermaustollwut kommt in Nord- und Südamerika, Australien sowie Europa vor. Todesfälle an Fledermaustollwut wurde 2002 aus Schottland sowie 2004 aus den USA berichtet. Für Reisende besteht eine Expositionsgefahr für Fledermaustollwut insbesondere beim Besuch von Höhlen.

Zur Prophylaxe stehen in Deutschland hochwirksame moderne, in Zellkulturen hergestellte, formalin-inaktivierte Impfstoffe zur Verfügung, die ohne Altersbegrenzung bei entsprechender Indikation verabreicht werden können. Laut den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ist die präexpositionelle Tollwutimpfung bei einem vorhersehbar erhöhtem Risiko indiziert. Hierzu sollten das Reiseland, die Art der Reise und die medizinische Versorgung vor Ort bei der Indikationsstellung berücksichtigt werden. Nach erfolgter Grundimmunisierung mit 3 Dosen (Tag 0, 7, 21-28) beträgt die Schutzdauer etwa 5 Jahre. Zur Aufrechterhaltung der Seroprotektion genügt dann eine Booster-Impfung.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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