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Ross-River-Virusinfektion bei Australien-Urlaubern

Die erste Beschreibung des durch das Ross-River-Virus verursachte Krankheitsbildes, der epidemischen Polyarthritis, erfolgte im Jahr 1928. Das verursachende Virus wurde in 1960er Jahren erstmals isoliert. Da die Infektion bisher ausschließlich auf die Region Australien und Ozeanien beschränkt war, ist sie in Deutschland noch weitgehend unbekannt.

Nicht zuletzt bedingt durch den zunehmenden Tourismus nach Australien ist die Infektion heute von reisemedizinischer Bedeutung. In den 1970er Jahren wurde der Erreger innerhalb kurzer Zeit über fast die gesamten südpazifischen Inseln verteilt, wo es dann in den nicht-immunen Populationen zu größeren Epidemien kam. Experten sagen vorher, dass sich RRV in Zukunft auch weiter nach Südostasien sowie Südamerika ausbreiten könnte, da die dort vorhandenen Vektoren, das Virus übertragen könnten.

RRV gehört zur Familie der Togaviridae, Genus Alphavirus. Aus Australien liegen inzwischen zahlreiche Untersuchungen über die Regionen, in denen mit der Möglichkeit einer RRV-Infektion zu rechnen ist, vor. Endemische Gebiete finden sich im Northern Territory, South Australia, Queensland, Victoria und New South Wales. Jährlich wird mit etwa 5.000 Erkrankungsfällen in Australien gerechnet. Es zeigte sich eine saisonale Verteilung mit Infektionsmeldungen, insbesondere im Spätsommer und Frühherbst.

Übertragen wird das Virus durch den Stich von Aedes ssp., Culex ssp. und Mansonia ssp. Als tierisches Reservoir werden mehrere kleine Säugetierarten vermutet. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bisher nicht beobachtet.

Die Inkubationszeit beträgt nach dem Mückenstich etwa 7 bis 9 Tage. Die Erkrankung beginnt in den meisten Fällen charakteristischerweise zunächst mit abrupt einsetzenden Gelenkschmerzen. Etwa 1 bis 2 Tage nach dem Beginn der Symptomatik tritt das makulopapulöse, in machen Fällen auch vesikuläre, Exanthem auf. Die Temperatur ist in der Regel nur leicht erhöht; Fieber wird hingegen meist nicht beobachtet. Zudem kommt es zu Abgeschlagenheit, Myalgien, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Photophobie.

Die folgenden Gelenke sind in abnehmender Reihenfolge betroffen: Knie-, Hand-, Sprung-, Finger-, Ellbogengelenke, Halswirbelsäule, Schulter-, Daumengelenke, Lendenwirbelsäule und die Kiefergelenke. Der Befall der Gelenke ist symmetrisch und zum Teil mit heftigen Schmerzen verbunden.

Zudem kommt es zur Gelenksteifigkeit, verbunden mit Schwellung, Rötung und Erwärmung der Gelenke. In vielen Fällen tritt zudem eine Tendonitis hinzu Nur 2% der symptomatisch Erkrankten sind bereits nach weniger als 4 Wochen beschwerdefrei. Bei 73% der Erkrankten ist mit einer Beschwerdedauer von mehr als 6 Monaten zu rechnen. 57 % der Erkrankten klagen noch 1 bis 3 Jahre nach der Erkrankung über rezidivierende Gelenkbeschwerden, teils mit Gelenksteife und -schwellung. 3% der Erkrankten wurden für mehr als 6 Monate arbeitsunfähig geschrieben.

Bei Kindern nimmt die Erkrankung in der Regel einen leichteren Verlauf. Es wird daher angenommen, dass die RRV-induzierte Arthritis die Folge einer persistierenden Infektion der Makrophagen sein könnte. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und supportiv. Bei 36% der Patienten kommt es durch Einnahme von nicht-steroidalen antiinflammatorischen Substanzen zur Besserung der Beschwerden. 16% sprechen gut auf Azetylsalicylsäure sowie Paracetamol an. Die Physiotherpie ist bei 10% der Patienten die wirkungsvollste Behandlungsform.

Die Diagnostik basiert auf dem Nachweis von spezifischen Antikörpern, die jedoch nur von wenigen Labors in Deutschland durchgeführt wird. In RRV-Endemiegebieten ist auf konsequenten Schutz vor Mückenstiche zu achten. Dies umfasst das Tragen von tropentauglicher und körperbedeckender Kleidung, die Anwendung von Repellenzien sowie den Schutz des Wohn- bzw. Schlafbereiches durch Mückengitter und Moskitonetze. Eine aktive Impfung steht bisher nicht zur Verfügung. Nach dem Infektionsschutzgesetz unterliegt die RRV-Infektion nicht der Meldepflicht.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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