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Schlangenbisse und Skorpionstiche auf Expeditionen

In manchen Urlaubszielen kann der Reisende mit Gifttieren in Kontakt kommen. Gerade Gifttiere, wie Schlangen und Skorpione, sind in den Tropen zum Teil artenreich vertreten. Allerdings wird nur selten über Verletzungen von Touristen berichtet. Vielmehr sind es in den entsprechenden Regionen wohnende und arbeitende Menschen (zum Beispiel Bauern, Waldarbeiter, Soldaten, Fischer), die hier hauptsächlich betroffen sind.

Die Gifttiere injizieren das Toxin aktiv mit einem Stachel (Skorpion) oder durch einen Biss über die Zähne in ihr Opfer. Vergiftungen nach einem Biss oder Stich sind grundsätzlich als akute Erkrankung zu betrachten.

Bitis gabonica

Der Klinik der Vergiftung ist sehr variabel und kann von leichter Allgemeinsymptomatik bis zu foudroyant und tödlich verlaufen. Faktoren, die die Prognose beeinflussen, sind zunächst die Art des Giftes, die Dosis sowie das Körpergewicht des Betroffenen. Kinder unterliegen wegen des geringeren Körpergewichts einer höheren Gefährdung. 

Giftschlangen, hierzu zählen Vipern (Hornviper), Ottern (Puffotter, Sandrasselotter) und Nattern (Kobra, Mamba), verfügen über ein Toxin, welches tödliche Vergiftungen verursachen kann. Die Schlangen verfügen über einen hochentwickelten Giftapparat, der sich beidseits in den Oberkiefern befindet. Die Wirkung des Gifts ist unterschiedlich. Kobras und Mambas produzieren ein Neurotoxin, welches letztlich zu einer Lähmung des Atemzentrums führt.

Das Gift der Viper verursacht eine mehrere Tage anhaltende Störung der Gerinnung, was sich in Blutungen bzw. einer Ungerinnbarkeit des Blutes bemerkbar macht. Puffottern produzieren ein Toxin, welches lokal eine Nekrose, Ödem und Hämorrhagien verursacht. Nicht bei jedem Biss wird Toxin übertragen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die Schlage kurz zuvor ihr Gift bereits verspritzt hatte. 

Skorpione weisen am Körperende einen gekrümmten Stachel auf, mit dem das Tier sein Gift injiziert. Ein Kontakt mit einem Skorpion findet fast immer versehentlich statt, zum Beispiel wenn es sich das Tier im einem vor dem Zelt stehenden Stiefel bequem gemacht hatte. Wird der Stiefel vor dem Anziehen nicht ausgeklopft, kann es zum Stich kommen. Das Gift der Skorpione ist unterschiedlich gefährlich. Während es meist nur zu einer vorübergehenden Kreislaufinstabilität kommt, resultiert im schlimmsten Fall ein tödlich verlaufendes Lungenödem. 

Buthus occitanus

Bei den Maßnahmen der Erste Hilfe bei Gifttierunfällen sind wichtige Grundregeln zu beachten:

- Den Betroffenen beruhigen und einer Panik entgegenwirken
- Die betroffene Extremität (meist sind Beine oder Arme betroffen) ruhig stellen. Dazu kann eine Schienung sinnvoll sein.
- Schocklagerung
- Entfernen von Ringen und Armbändern wegen einer möglichen Ödembildung.
- Sofern möglich, Identifizierung des Tieres, welches den Biss oder Stich verursacht hat
- Sofortiger Transport in die nächste Klinik oder Arztpraxis
- Vitalfunktion kontrollieren und falls notwendig, Beatmung und Herzmassage durchführen.

Crotalus atrox

Die Mortalität liegt bei einem unbehandelten Schlangenbiss in einer Größenordnung von 20%. Entgegen der in Filmen oft gezeigten Praxis sollte die Bissstelle nicht eingeschnitten oder ausgesaugt werden. Auch wird nicht empfohlen, die betroffene Extremität abzubinden. Abgeraten wird auch von einer Injektion von "Hausmitteln" in die Bissstelle. Eine Kühlung oder Erwärmung der Bissstelle sollte ebenfalls unterlassen werden. Die Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme sollte bis zum Eintreffen im Krankenhaus unterbleiben.

Die Therapie erfolgt zunächst symptomatisch und orientiert sich an den auftretenden Symptomen. Spezifische Antiseren sind meist nur in Krankenhäusern der betroffenen Regionen verfügbar. Ihre Anwendung sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da Komplikationen, wie eine anaphylaktische Reaktion auftreten können. Sinnvoll ist die Behandlung in der Regel nur, wenn zwischen dem Biss bzw. Stich nicht zu viel Zeit vergangen ist.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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