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Chikungunya-Fieber auf Mauritius, Seychellen und La Réunion auf dem Vormarsch

Chikungunya-Fieber gehört auch in Deutschland zu den in der ärztlichen Praxis eher wenig bekannten reisemedizinischen Infektionen. Dabei handelt es sich um eine virale Infektion, die in Afrika und Südostasien endemisch vorkommt.

Der Begriff "Chikungunya" leitet sich aus dem Kisuaheli ab und steht für "der gekrümmt Gehende": Chikungunya-Virus gehört zur Familie der Togaviridae (Genus Alphavirus). Über importierte Infektionen bei Urlaubern wurde in den letzten Jahren wiederholt auch aus den Touristikzentren Thailands, Sri Lankas, der Philippinen oder Südafrikas berichtet.

Verbreitung Chikungunya-Fieber

Übertragen wird das Virus durch den Stich von Mücken der Aedes-, Culex-, Anopheles- und Mansonia-Spezies. In Afrika besteht ein enzootisch-sylvatischer Zyklus zwischen Affen und Stechmücken, wobei es beim Menschen nur gelegentlich zu Infektionen kommt.

Zu Epidemien kommt es regelmäßig bei hoher Mückendichte nach der Regenzeit und entsprechenden Temperaturen sowie bei niedriger Durchseuchung der betroffenen Population. Dagegen sind in Asien urbane Zyklen mit einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung häufig. Daher sind größere urbane Ausbrüche grundsätzlich möglich.

Die Inkubationszeit beträgt nach dem Mückenstich 1 bis 12 Tage. Charakteristisch ist ein plötzlicher  Beginn der starken Gelenkschmerzen. Die Polyarthralgien treten symmetrisch auf und betreffen insbesondere die Metakarpophalangeal-, Hand-, Ellbogen-, Schulter-, Knie-, Sprung- und Metatarsalgelenke. In den meisten Fällen wird über eine ausgeprägte Gelenksteifigkeit geklagt. Initial kommt es zudem zu Fieber, Schüttelfrost, Myalgien, makulopapulösem Exanthem und einer Konjunktivits. Die Fieberkurve kann einen biphasischen Verlauf nehmen. Die Polyarthralgien bzw. Polyarthritiden können über mehrere Monate persistieren.

Etwa 3 Jahre nach der Infektion besteht bei 12% der Patienten noch ein unterschiedlich schwer ausgeprägtes Beschwerdebild. Persistierende Gelenksteife mit Schmerzen und rezidivierender Gelenkschwellung lassen sich noch bei 5% der Patienten diagnostizieren. Eine Knochen- oder Gelenksdestruktion lässt sich jedoch nicht nachweisen. Beim Auftreten der akuten Beschwerden sollte eine Infektion durch Dengue-Virus differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Die Therapie erfolgt symptomatisch. Eine antivirale Therapie steht bislang nicht zur Verfügung. Antiphlogistika bringen meist nur wenig Schmerzlinderung. Physikalische Maßnahmen stehen im Vordergrund der Behandlung.

Die Diagnostik der Chikungunya-Infektion erfolgt durch den Nachweis spezifischer Antikörper der IgM- und  IgG-Klasse mittels verschiedener serologischer Verfahren. Diese Untersuchung wird allerdings nur von wenigen Labors in Deutschland routinemässig durchgeführt. Die Virusanzucht oder PCR spielt dagegen in der Diagnostik dieser Infektion in der Regel keine Rolle. Nach durchgemachter Infektion besteht eine langandauernde, vermutlich lebenslange Immunität. Bester Schutz vor einer Infektion ist die Vermeidung von Mückenstichen durch die konsequente Anwendung von Repellentien und das Tragen von tropentauglicher Kleidung.

In Anbetracht der hohen Zahl von Urlaubern, die derzeit in Chikungunya-Endemiegebiete Asiens und Afrikas reisen, muss mit dem Import dieser Infektion gerechnet werden. Aufgrund des geringen Bekanntheitsgrades dieser reisemedizinischen Infektion in Deutschland kann  angenommen werden, dass nur die wenigsten Infektionsfälle bisher virusserologisch abgeklärt werden. Insbesondere nach lang anhaltenden Gelenkbeschwerden nach Reisen in die entsprechenden Endemiegebiete sollte differentialdiagnostisch an Chikungunya-Fieber gedacht werden.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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