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Kala Azar: Verbreitung der Viszeralen Leishmaniose

Die viszerale Leishmaniose (Kala Azar) wird durch Schmetterlingsmücken ("sand fly") übertragen.  Leishmanien werden zu den Protozoen (Gattung Leishmania) gerechnet. Sie verursachen in Abhängigkeit von der Leishmanien-Spezies und dem Immunstatus des Patienten unterschiedliche klinische Krankheitsbilder, die von einem kutanen oder mukokutanen Befall bis hin zur viszeralen Beteiligung reichen.

Als Erreger der kutanen Leishmaniose kommen im Mittelmeerraum mehrere Leishmanien-Formen in Frage: L. tropica, L. aethiopica, L. major und L. infantum. Die Erkrankung wird auch als Orientbeule, Baghdadbeule oder Aleppobeule bezeichnet.

Kala Azar: Verbreitung der Viszeralen Leishmaniose

Die Erkrankung wird durch den Stich von Schmetterlingsmücken (Phlebotomen) übertragen. Tierisches Reservoir von Leishmanien sind insbesondere Hunde, Füchse und Nagetiere. Auch bei Urlaubern, die sich in Spanien, Portugal, Italien oder der Türkei aufgehalten hatten, wurden diese Infektionen bereits mehrfach beobachtet. In den meisten Fällen wurde die Diagnose jedoch erst spät gestellt. Erst kürzlich wurde ein Fall einer viszeralen Leishmaniose bei einem Kind, das sich vor 3 Jahren in Spanien infiziert hatte, berichtet.

Etwa 4 Wochen nach dem Mückenstich kommt es an der Inokulationsstelle zu einer juckenden Papel, die sich zu einem 2 bis 4 cm großen Ulkus entwickeln. Die Läsionen treten für gewöhnlich an Körperstellen auf, die während des Aufenthalts in dem Endemiegebiet unbedeckt waren, zum Beispiel Gesicht, Arme und Beine. Die Ulzera können einzeln oder multipel auftreten. Im Randwall des Ulkus lassen sich parasitenhaltige Makrophagen nachweisen. Die Abheilung erfolgt in den meisten Fällen spontan nach mehreren Monaten, wobei es jedoch zur Narbenbildung kommt. Bei etwa 10% der Patienten kann es zur Persistenz des Erregers kommen, was sich als Leishmaniasis recidivans äußert.

Die Diagnose der kutanen Leishmaniose lässt sich durch den Nachweis des Erregers im Wundrand des Ulkus sichern. Hierzu wird ein Ausstrichpräparat angefertigt, in dem sich die Leishmanien nach histologischer Färbung darstellen. Bei der viszeralen Leishmaniose finden sich die Parasiten im Knochenmark. Leishmanien lassen sich auch kulturell aus einer Stanzbiopsie anzüchten.

Ferner steht der Nachweis von Erreger-DNA mittels Nukleinamplifikationsmethoden zur Verfügung. Die serologische Diagnostik ist bei der kutanen Leishmaniose meist ohne Relevanz. Bei der viszeralen Leishmaniose kann der nachweis von Antikörpern hingegen bei unklaren klinischen Konstellationen durchaus hilfreich sein.

Kleinere kutane Läsionen können in toto exzidiert werden. In diesen Fällen bedarf es keiner zusätzlichen medikamentösen Therapie. Alternativen sind die Kryotherapie, was jedoch auch zur Narbenbildung führen kann. Zur Behandlung ist auch die lokale Verabreichung von Paromomycin-Methyl-Benzethoniumchlorid-Salbe geeignet. Auf jeden Fall sollte ein Dermatologe für die Behandlung hinzugezogen werden. Die Behandlung der viszeralen Leishmaniose erfolgt mit Amphotericin B oder Antimonpräparaten. Seit 2004 gibt es auch ein neues Therapeutikum, Miltefosin in Kapselform.

Für den Hausarzt ist es wichtig, differentialdiagnostisch bei schlecht heilenden Hautulzera nach einem Mittelmeeraufenthalt an die kutane Leishmaniose zu denken und den Patienten möglich rasch fachärztlich weiter behandeln zu lassen. Nur so lassen sich oft kosmetisch störende Narben verhindern. Bedacht werden sollte auch, dass die Stechmücken, die die Leishmaniose übertragen, auch Sandfliegenfieberviren, die Erreger des Pappataci-Fiebers, übertragen können.

Beste Vorbeugung zur Vermeidung der Infektion ist die konsequente Expositionsprophylaxe durch zum Beispiel die Anwendung von Repellenzien. Aufgrund der hohen Zahl von Urlaubsreisen in Mittelmeerländer muss mit der Möglichkeit der Importation von kutanen Leishmaniosen gerechnet werden. Da die Erkrankung nach dem Infektionsschutzgesetz nicht der Meldepflicht unterliegt, sind Zahlen zur Inzidenz in Deutschland nicht verfügbar.  

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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