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Zunahme der Malaria in den Highlands Ostafrikas

Seit den 1970er Jahren wird eine Zunahme der Inzidenz der Malaria in den Hochebenen Ostafrikas (Kenya, Tanzania, Uganda) beobachtet. Überträger der Malaria sind Mücken der Gattung Anopheles. Nicht zuletzt auf Grund der Tatsache, dass diese Gebiete (Masai Mara, Serengeti, Amboseli) von großer touristischer Bedeutung sind, wird diesem gesundheitlichen Problem heute zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Für die dort lebende, dauerhaft exponierte Bevölkerung ist die Malaria bekannterweise seit Jahren von großer Bedeutung hinsichtlich Morbidität und Mortalität. 

Die Frage, inwieweit die Klimaveränderungen in letzten Jahren, hierbei insbesondere die globale Erwärmung, eine Rolle bei der Inzidenz und Verbreitung vektor-übertragener Infektionen spielen, wird seit Jahren kontrovers diskutiert. Inzwischen mehren sich jedoch die Belege, die die Klimaabhängigkeit dieser durch Mücken übertragenen Infektionen bestätigen.   

Eine Studie aus dem letzten Jahr (Proc Natl Acad Sci USA 103:5829-5834 (2006)) beschäftigte sich mit der Frage, inwieweit die Ursache des Anstiegs der Malaria mit der globalen Erwärmung zusammenhängt. Beim Vergleich der Temperaturen zwischen den Jahren 1950 und 2002 fand ließ sich in allen von der Malaria heimgesuchten Gebieten eine Temperaturerhöhung nachweisen. Seit dem Ende der 1970er Jahre betrug die Temperaturerhöhung ungefähr 0,5° C. Die Temperaturerhöhung hat erheblich Auswirkung auf die Mückenpopulation bzw. auf die Dynamik der Mückenvermehrung.

Zunahme der Malaria in den Highlands Ostafrikas

Da die Mückendichte in den Highlands bislang eher gering war, führt die Temperaturerhöhung zu einer deutlichen Vermehrung dieser Vektoren. Insbesondere wird hierdurch die Überlebensrate der Mückenlarven beeinflusst. Eine Folge der veränderten Dynamik der Mückenpopulation ist eine zunehmende Verbreitung, auch in Gebiete, die bislang frei oder nur wenig von Malaria betroffen waren. Dies wiederum verschärft die medizinischen Probleme.

Für Reisende ist die Einnahme einer Chemoprophylaxe beim Aufenthalt in Malariagebieten Ostafrikas mit hohem Übertragungspotential grundsätzlich empfehlenswert. Die Entscheidung über die Art der Malariaprophylaxe muss anhand des Reisezieles, der Reisezeit, der Aufenthaltsdauer und des Reisestils individuell für den Reisenden getroffen werden. Dabei sind auch ggf. Vorerkrankungen, Unverträglichkeiten sowie eine sonstige Medikamenteneinahme bei der Verordnung berücksichtigt werden. Für die Chemoprophylaxe wird in Ostafrika Atovaquon/Proguanil, Mefloquin oder Doxycyclin empfohlen.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

© Deutsches Expeditionscamp - expeditionen.de 2007/ 2008

Endemische Malaria in Deutschland durch Klimawandel: Wie wahrscheinlich ist eine Wiederkehr? 

Die globale Klimaerwärmung wird zu einer Ausbreitung vektor-übertragener Infektionen führen. Neben verschiedenen Arbovirosen rückt dabei insbesondere die Malaria in den Blickpunkt, da diese heute in den Tropen beheimatete Erkrankung früher auch in weiten Teilen Europa endemisch war. Nach Berichten kann davon ausgegangen werden, dass die Malaria mit der römischen Besatzung Germaniens durch infizierte Legionäre und Söldner in Deutschland endemisch wurde.

Ob diese Infektionskrankheit bereits zuvor in Germanien verbreitet war, ist nicht überliefert. Beschreibungen von intermittierendem Fieber aus dem Mittelalter und der Renaissance lassen eine weite Verbreitung dieser Infektion in Deutschland vermuten. Insbesondere waren dabei Küstenregionen, Stromgebiete der großen Flüsse sowie Sumpfgebiete betroffen. Gesichert gilt eine große Malariaepidemie, die im Jahr 1557/58 weite Teile Europas erfasste.  

Zu größeren Epidemien kam es in Deutschland bis ins 18. Jahrhundert. Erst im 19. Jahrhundert nahm die endemische Bedeutung der Malaria ab. Interessanterweise wurde eine Reihe von epidemiologischen sowie hämatologischen Charakteristika im 19. Jahrhundert an endemischen Erkrankungsfällen erhoben. Mit dem Eingriff des Menschens in die Ökologie, durch zum Beispiel Trockenlegung von Sumpfgebieten, Begradigung von Flussläufen,  Kanalisationsmaßnahmen, Verbesserung der Wohnhygiene sowie der Verstädterung, wurden die Brutplätze der Mücken zerstört.  

Mit den beiden Weltkriegen kehrte auch die Malaria nach Deutschland zurück. Eingeschleppt durch infizierte zurückkehrende Soldaten kam es nach dem 2. Weltkrieg in Ostdeutschland zu mindestens 10000 Malariafällen, von denen 2800 als autochthon anzusehen waren. Notunterkünfte und Lager boten hierbei einen idealen Nährboden für die Zirkulation der Parasiten. Im Sommer 1945/46, der überdurchschnittlich heiß und feucht war, trat die Malaria zum Beispiel auch in Hamburg und Berlin endemisch auf.

Heimische Anopheles-Spezies konnten die Plasmodien übertragen und so den Biozyklus unterhalten. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um Infektionen durch Plasmodium vivax, selten um Plasmodium malariae. Durch die Anwendung von Insektiziden (DDT-Präparate) sowie der Behandlung von Gametenträgern konnte die autochthone Malaria in Deutschland eliminiert werden, so dass seit Anfang der 1950er Jahre keine heimischen Erkrankungen mehr aufgetreten waren.

Die Grundvoraussetzungen, die ein Wiederaufflackern der heimischen Malaria ermöglichen könnten, sind jedoch weiterhin gegeben. So sind die notwendigen Anopheles-Spezies weiterhin in vielen Regionen Deutschlands vorhanden. Mit jährlich 700 bis 1.000 gemeldeten importierten Erkrankungen ist von einer ständigen Infektionsquelle auszugehen, da die Gametenträger für die Mücken infektiös sind. Knapp 80 Millionen in Deutschland lebende, nicht-immune Menschen und eine nicht näher bezifferte Zahl von Reisenden gelten als empfänglich.

Zunehmend problematisch ist jedoch, dass sich die klimatischen Bedingungen, die für eine Ausreifung der Sporozoiten in der Mücken notwendig sind, laufend zugunsten der Mücke verbessern. Dies bedeutet, dass damit gerechnet werden muss, dass anopheline Mücken, insbesondere Anopheles atroparvus und Anopheles messeae, zukünftig auch in Deutschland wieder als Überträger von Plasmodien fungieren könnten.

Durch ökologische Maßnahmen, wie der Rekultivierung von Flußauen, werden zudem Brutplätze für Mücken geschaffen. In Folge des internationalen Flugverkehrs ist auch mit einer Verschleppung von infektiösen Anopheles aus den Malaria-Gebieten Afrikas, Asiens, Ozeaniens und Süd- und Mittelamerika in die Umgebung von Großflughäfen zu rechnen, wie dies durch die regelmäßigen Fälle von "Airport"-Malaria oder "Baggage"-Malaria eindrucksvoll belegt wird.