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Dengue-Fieber: ein weltumspannendes medizinisches Problem

Die Denguevirus (DEN)-Infektion ist die häufigste vektor-übertragene Virusinfektion des Menschen. Bedingt durch die Verschleppung infizierter Vektoren kommt DEN heute weltumspannend im tropischen und subtropischen Gürtel vor. Es lassen sich vier unterschiedliche DEN-Serotypen (DEN-1 bis DEN-4) unterscheiden, die entweder in abgegrenzten oder überlappenden Endemiezonen vorkommen. In einigen Regionen Südostasiens (zum Beispiel Kambodscha) wurde die gleichzeitige Zirkulation aller vier Serotypen berichtet.

Bei einer Infektion mit DEN wird jeweils nur eine homologe, nicht jedoch eine heterologe Immunität induziert. Bei Reinfektionen mit einem anderen DEN-Serotyp besteht ein erhöhtes Risiko für das hämorrhagische Dengue-Fieber. Als ursächlicher Pathomechanismus für dieses Phänomen wird das so genannte "Immune-Enhancement" angenommen. Jedoch gibt es auch Hinweise, dass bestimmte DEN-Serotypen oder auch DEN-Varianten virulenter sein können und damit bereits bei der Erstinfektion ein hämorrhagisches DEN-Fieber verursachen.

Verbreitung Dengue-Fieber

Nach dem Stich von Mückender Gattung Aedes (A. aegypti, A. albopictus) beginnt die Erkrankung nach 2- bis 7-tägiger Inkubationszeit mit grippeähnlichen Symptomen. Das klassische DEN-Fieber ist eine selbstlimitierende, kurzdauernde Erkrankung, die mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Myalgien, Arthralgien, Exanthem und Lymphknotenschwellung einhergeht.

Insbesondere zu Beginn der Erkrankung muss differentialdiagnostisch, oft auch wegen überlappender Endemiegebieten, immer eine Malaria ausgeschlossen werden. Beim hämorrhagischen DEN-Fieber kommt es zudem zu unterschiedlich stark ausgeprägten hämorrhagischen Symptomen, wie Petechien, Melaena, Epistaxis und Ekchymosen. Komplizierend können zirkulatorische Störungen bis hin zum Schock (DEN-Schock-Syndrom) auftreten.

Verursacht sind die Hämorrhagien durch eine Thrombozytopenie sowie Störungen der plasmatischen Gerinnung. Die Therapie erfolgt symptomatisch. Zu Todesfällen kommt es insbesondere bei Kleinkindern. In endemischen Gebieten kommt es bereits meist im Kindesalter zu einer hohen Durchseuchung der Bevölkerung, so dass Infektionen im gebährfähigen Alter selten sind.

Anders hingegen in Gegenden, wie zum Beispiel in Australien, in denen DEN erst seit kurzem endemisch ist. Gleiches gilt für Reisende aus nicht-endemischen Gebieten. In den letzten Jahren wurde wiederholt über die Transmission von DEN von der Schwangeren auf den Fetus berichtet. Bisherige Befunde weisen auf die Möglichkeit der Auslösung von vorzeitiger Wehentätigkeit hin.

Zudem kann es beim Feten zu gastrointestinalen und intrazerebralen Hämorrhagien kommen, die auch tödlich verlaufen können. Die DEN-Infektion gilt in Deutschland als eine häufige importierte Infektion. Da sich die Meldezahlen nach dem Infektionsschutzgesetz §7 jedoch nur auf Labormeldungen stützen, ist von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen. Abhängig von den bevorzugten Reisezielen, kann eine Zahl von 1.000 bis 3.000 importierten DEN-Infektionen angenommen werden. Impfstoffe gegen DEN sind in klinischen Prüfungen.

Als erfolgversprechenster Impfstoff-Kandidat  gilt eine lebend-attenuierte, tetravalente Vakzine. Bester Schutz vor einer DEN-Infektion ist die Expositionsprophylaxe mit tropentauglicher Kleidung und die Anwendung von Repellenzien. DEN kann eine Thrombozytopenie auslösen. Daher sollte bei Reisen in DEN-Endemiegebiete auf die Einnahme von azetylsalizylsäure-haltigen Präparaten wegen ihrer thrombozyten-aggregations-hemmenden Wirkung verzichtet werden oder diese nur nach ärztlicher Beratung eingenommen werden.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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