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Tropen-Dermatologie: Die Haut - Problemzone für Reisende in den Tropen

Ein Klimawechsel aus Mitteleuropa in die Tropen bedeutet für den Körper Schwerstarbeit. Die Umstellung auf die Hitze, die hohe Luftfeuchtigkeit, die intensive Sonne zusammen mit der plötzlichen Umstellung des Tagesrhythmus, der ungewohnten körperlichen Belastung und andere Faktoren zeigen oft eine unangenehme Wirkung. Besonders vorsichtig sein müssen Reisende, die fernab von den Hauptorten im Dschungel oder in der Wüste unterwegs sind. Selbsthilfe ist gefordert, wenn die Binsenweisheit zu spät kommt, dass Vorsorge besser ist als Nachsorge.

Im Folgenden sollen einige Hinweise und Tipps sowohl zur Vorsorge wie zur Behandlung häufiger Probleme der Haut in den Tropen gegeben werden, die Stichworte dazu sind: Sonne, Schwitzen, Hautpflege, Mosquito- und Insektenstiche, Pilzerkrankungen, Intertrigo ("Wolf"), Haarbalgentzündung (Follikulitis, Furunkel), Parasiten, Würmer, Wanzen, Flöhe, etc. Diese Informationen stellen keinen Ersatz dar für eine individuelle Beratung, in Zweifelsfällen muss immer fachkundige Beratung aufgesucht werden. 

Sonne

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die Sonne “knallt” in den Tropen. Die Nähe zum Äquator lässt die Intensität der UV-Strahlung im Vergleich zu Deutschland auf das ca. 2 bis 3-fache steigen. Nicht selten befinden sich Reisende darüber hinaus in größere Höhe über dem Meeresspiegel als zu Hause; am Meer selbst reflektiert das Wasser und/oder wäscht den Schutz ab.

Schon nach 10 bis 20 Minuten ungeschütztem Aufenthalt in der Sonne folgt unweigerlich ein Sonnenbrand mit Rötung und Blasenbildung. Die Beschwerden gleichen denen einer Verbrennung. Besonders empfindlich sind der Kopf mit seinen "vorspringenden" Organen Nase und Ohren sowie der Nacken, aber auch der Fußrücken ist sehr gefährdet. Verbrennungen am Rumpf führen dazu, dass "man im Stehen Schlafen" muss. Vorbeugend sind leichte, aber langärmelige und langbeinige Kleidung sowie eine Kopfbedeckung zu empfehlen.

Auch Schuhe sind nicht nur wegen der Sonne ein guter Tipp. Sonnencremes sind selbstverständlich; auf den sachgemäßen Gebrauch laut den Hinweisen des Herstellers ist zu achten, was Zeitpunkt des Auftragens, Wirkungsdauer und Wasserfestigkeit betrifft. Es muss nicht unbedingt der Faktor 50plus sein, Werte ab 20 bis 30 je nach Hauttyp und Klimabedingungen reichen aus. Genauso wichtig wie der Schutz durch Kleidung und Cremes ist das richtige Verhalten: Mittagssonne meiden, Schatten suchen.

Wenn es dennoch zum Brand kommt: kühlende "After-Sun" Lotionen sind besser als nichts, aber selten zur Hand und zu schwach. Nicht zögern sollte der Betroffene mit dem großflächigem Einsatz von kortisonhaltigen Cremes; entgegen der hierzulande geltenden Richtlinien auch im Gesicht. Darüber hinaus hat sich das sofortige Einnehmen der "Allzweckwaffe" Acetylsalicylsäure bewährt. Das kann ohne weiteres für einige Tage fortgesetzt werden, wenn andere Gründe nicht dagegen sprechen. Viel zu trinken ist immer wichtig und richtig.

Schwitzen

Insbesondere aufgrund der höheren Luftfeuchtigkeit – weniger wegen der Temperatur - schwitzen Europäer in den ersten Tagen nach der Ankunft in den Tropen sehr viel. Das soll allerdings kein Grund sein, die bereits erwähnte "Kleidungsvorschriften" zu missachten. Auch hier ist die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit ein Muss. Das Schwitzen selbst lässt sich zwar durch bestimmte Medikamente etwas unterdrücken, davon kann aber aufgrund der starken Nebenwirkungen nur abgeraten werden.

Im Grunde hilft beim (übermäßigen) Schwitzen nur eins: Abwarten. Nach einigen Tagen hat sich der Körper akklimatisiert, in dieser Zeit ist unnötige körperliche Anstrengungen zu meiden. Denn sonst kommt es noch schneller zu mit dem Schwitzen verbundenen Beschwerden wie den unten genannten Pilzerkrankungen, der Intertrigo oder der Haarbalgentzündung.

Hautpflege allgemein

An dieser Stelle einiges zur Hautpflege allgemein. Ein tägliches Vollbad oder eine (Süßwasser-) Dusche sind meist nicht erreichbar und auch nicht sinnvoll. Das Baden in Flüssen und Seen ist wegen der Parasitengefahr nicht ratsam (siehe unten Schistosomen). Falls möglich, sollte der Reisende täglich Zeit einplanen, sich sorgfältig mit Waschlappen und milder, nicht parfümierter, am besten synthetischer Seife zu reinigen ("Syndets" gibt es hierzulande in großer Auswahl, zu Hause testen und mitnehmen!).

Nicht zu heftig rubbeln, von Kopf bis Fuß locker einmassieren, dann abspülen und sorgfältig abtrocknen insbesondere an den Körperstellen, wo Haut auf Haut liegt: Achseln, Oberschenkel innen, Zehen. Der anschließende sparsame (!) Gebrauch einer pflegenden Hautcreme (auch diese zu Hause testen und mitnehmen) lässt den "geschundenen" Körper wie neugeboren fühlen.

Bei dieser Gelegenheit kann man auch von oben bis unten nach kleinen Verletzungen, Stichen, Druckstellen und anderen Hautläsionen suchen. Noch ist zwar nichts zu spüren, aber hier werden kleine Wunden schnell zu großen Problemen. Diese Stellen sollen mit einer leicht desinfizierenden Lösung "bepinselt" werden. Bitte keine stark alkoholischen Mittel oder Sprays verwenden, wie sie in deutschen Kliniken und Praxen gängig sind. Diese reizen die Haut oft noch mehr. Ebenfalls wenig geeignet sind Puder aller Art auch zur Behandlung von Infektionen, die kleinen Fremdkörper führen mit dem Schwitzen zu weiteren Problemen.

Mosquito- und Insektenstiche, Juckreiz

Das universelle Mückenvermeidungsmittel ist noch nicht erfunden. Das bei sachgerechtem Gebrauch sehr sinnvolle und wirksame Netz über dem Bett ist tagsüber und unterwegs leider nicht dabei. Manchmal helfen die Extrakte aus diversen Kräutern, die die Einheimischen selbst nutzen oder empfehlen. Sie halten hoffentlich die übermäßige Quälerei ein wenig in Grenzen, doch ganz ohne Stiche und ihre Folgen wird es nicht abgehen. Gefahr droht aus drei Richtungen: Übertragung von Krankheiten, lokale Wundreaktionen mit möglicherweise starker Streuung und Entzündung sowie, nicht zu unterschätzen, der Juckreiz. 

Insekten oder Tiere überhaupt als Überträger von Infektionen sind hier nicht das Thema. Die Gefahr einer Wundreaktion kann durch das frühzeitige Einschmieren mit desinfizierenden Lösungen und Cremes eingedämmt werden. Möglich sind jodhaltige Lösungen, empfohlen werden auch Clioquinol-haltige Cremes oder Chinolinol-Tabletten, die halbiert oder geviertelt in Wasser aufgelöst werden. Beide Mittel sind in Deutschland frei verkäuflich und nicht teuer. Betroffene Hautstellen sollen sauber bleiben.

Hat sich schon eine "Eiterbeule" entwickelt, reichen diese Mittel unter Umständen nicht mehr aus. Dann kann, wer es sich zutraut und die Ausrüstung dazu hat, den Eiterherd öffnen und dann sorgfältig steril säubern und verbinden. Doch in der Regel ist ein Besuch in der nächsten Krankenstation notwendig. Die eigenmächtige Einnahme von Antibiotika auf Verdacht ist keine gute Idee: diese Mittel setzen den Körper gerade in dieser Region außer Gefecht und erhöhen oft auch die Sonnenempfindlichkeit.

Auch der Juckreiz sollte äußerlich angegangen werden. Die in Europa bei starkem Juckreiz als Tabletten angewendeten Antihistaminika oder auch Kortisone sind nur das letzte Mittel, da sie die Reisefähigkeit beeinträchtigen. Ohne fachliche Beratung eingenommen werden sollen sie schon gar nicht. Von außen bringen Juckreiz-Salben leider nur bei schwachem Jucken etwas, der ist aber in der Regel schon ohne Behandlung auszuhalten.

Jucken Stiche sehr stark, helfen wieder die in der Gegend üblichen Extrakte oder die bereits angesprochene Desinfektion. Bei nicht entzündeten Stichen dürfte bei sonstiger Fitness auch eine kurzfristig aufgetragene Kortikoidsalbe erlaubt sein. Hier kann grundsätzlich gelten: lieber einen Tag ein stärkeres Mittel, das wirklich wirkt, als drei Trage ein zu schwaches, das die Gefahr von Infizierungen vergrößert.

Pilzinfektion

Erstaunlich oft kommt es bei Rucksacktouristen bzw. Expeditionen in den Tropen zu einer Pilzerkrankung der Haut. Besonders gefährdet sind die Zwischenzehenräume, sie sind gerötet, teilweise mit einer starken Entzündungsreaktion. Oft kommt es zur Streuung bis über den Fußrücken zum Unterschenkel. Auch die Innenseiten der Oberschenkel sind gerne betroffen. Abhilfe schaffen das sorgfältige Trockenlegen dieser Areale und der Verzicht auf geschlossene Schuhe oder Stiefel. Spätestens jetzt muss zweimal täglich ein Antimykotikum aufgetragen werden, zum Beispiel mit dem Wirkstoff Ciclopiroxol. Das Standardmittel Clotrimazol erfasst nicht (mehr) alle Erreger.

Besonders gefährdete Menschen können, falls eine entsprechende Phase der Reise bevorsteht, durch das prophylaktische Eincremen alle zwei Tage das Risiko deutlich mindern. Grundsätzlich eignen sich aber Antimykotika wie fast alle wirkstoffhaltigen Cremes nicht zur Prophylaxe.

Intertrigo ("Wolf")

Wegen des Schwitzens und der ungewohnten Kleidung mit körperlichen Anstrengung kommt es zur Intertrigo ("sich einen Wolf laufen"). Dort, wo Haut auf Haut liegt, zum Beispiel an der Oberschenkelinnenseite, entsteht durch das Schwitzen und die Reibung mit einer feuchten Kammer die Grundlage für das Aufweichen der oberen Hautschicht. Deren Schutz-und Barrierefunktion geht verloren, es kommt zu einer starken Entzündung. Die Vermeidungsstrategie ergibt sich folgerichtig aus den Ursachen: keine Druckstellen, keine enge Bekleidung, sorgfältige Pflege. Auch hier gilt wie so oft: Trockenlegen und Einschmieren zum Beispiel mit einem Antimykotikum, das hilft gegen (fast) alles.

Haarbalgentzündung (Follikulitis, Furunkel)

Ähnlich wie beim Wolf und der Tinea wirken auch bei der Entstehung der Haarbalgentzündung die Faktoren Schweiß, (zu) enge Kleidung und Reibung zusammen. Sichtbar wird alsbald ein Pickel, der sich zu einem Furunkel auswächst. Besonders gefährdet sind Körperareale mit stärkerer Behaarung, denn die Entzündung geht von der Talgdrüse eines Haares aus. Auch hier helfen die genannten Mittel: Desinfektion, ggf. Eitereröfnung und Wundversorgung.

Parasiten, Würmer, Wanzen, Flöhe, etc.

Diese unangenehmen Zeitgenossen greifen – nicht immer, aber oft - über die Haut an. Barfuß laufen ist nicht zu empfehlen, Mückenlarven und bestimmte Würmer betrachten die Haut als geeigneten Ort für ihre weitere Entwicklung. Auch beim Baden in Flüssen und Seen bleiben die Schlappen an. Das Bad in langsam fließenden Gewässern und stehenden Seen ist sogar gefährlich: Würmer der diversen Schistosoma-Arten warten nur darauf, sie dringen blitzschnell durch die Haut in die Blutbahn ein und verursachen chronische, schwere Entzündungen der inneren Organe. Für Stichen von Wanzen, die Parasiten übertragen können (Trypanosomen) und anderen gilt das bereits für die Mosquito-Stiche gesagte sinngemäß.

Text: Dr. med. Dipl. Inf. Berthold Gehrke

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