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St. Louis-Enzephalitis: häufige Arbovirose Nordamerikas

Die St. Louis-Enzephalitis ist neben dem West-Nil-Fieber die häufigste vektor-übertragene virale Infektion, die zu einer Affektion des zentralen Nervensystems in Nordamerika führt. Wiederholt wurde diese Infektion auch bei Reisenden, die sich in den USA aufgehalten hatten, diagnostiziert.

Die St. Louis-Enzephalitis wird durch das gleichnamige Virus, einen zu den Flaviviridae gehörenden Erreger, verursacht. Bei den Flaviviridae handelt es sich um RNA-Viren.

Die Übertragung des Virus erfolgt durch den Stich von Mücken der Gattung Culex. Als tierisches Reservoir dienen diverse Vögel, insbesondere Sperlinge, wie auch Fledermäuse. Als endemische Gebiete gelten in den USA das Ohio-Mississippi-Becken, Texas, Florida, Colorado sowie Kalifornien. Das Virus ist auch in Teilen Mittel- und Südamerika endemisch, verursacht dort aber bislang keine Epidemien.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch erfolgt nicht. Auch sind Übertragungen durch zum Beispiel Bluttransfusion oder Organtransplantation bislang nicht bekannt. Grundsätzlich kann das Virus jedoch auch parenteralem Weg oder durch Organtransplantation übertragen werden, sofern sich der Spender zufällig im virämischen Stadium der Infektion befindet.

Nach dem Mückenstich beträgt die Inkubationszeit nur wenige Tage. Die Erkrankung beginnt mit plötzlich einsetzenden Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Bereits kurz nach dem Erkrankungsbeginn kommt es dann zu den neurologischen Komplikationen, wie der Meningitis oder Enzephalitis. Bei ausgeprägten neurologischen Komplikationen beträgt die Letalität bis zu 20%, wobei hierbei überwiegend ältere Menschen betroffen sind. Nach dem Überstehen der Erkrankung kommt es zu Defektheilungen mit Gang-, Sprach- oder Haltungsstörungen. Die Rekonsvaleszenz kann mehrere Monate betragen.

Die Therapie der St. Louis-Enzephalitis erfolgt lediglich symptomatisch und supportiv. Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Bei neurologischen Komplikationen bedarf es einer intensivmedizinischen Betreuung.

Die Infektion lässt sich durch den Nachweis viraler Genome mittels Nukleinsäureamplifikationstechniken im Serum oder Liquor bestätigen. Zudem stehen serologische Methoden zum Nachweis von Antikörpern in spezialisierten Labors zur Verfügung. Ein aktiver oder passiver Impfstoff wurde bislang nicht entwickelt. Einzige Prophylaxe ist die Anwendung von Repellenzien in endemischen Gebieten, sowie das Tragen körperbedeckender Kleidung.

Für Reisende, die sich in endemischen Gebieten in Nordamerika aufgehalten haben, sollte beim Auftreten einer Meningitis oder Enzephalitis differentialdiagnostisch neben West-Nil-Fieber, LaCross-Enzephalitis, westlicher oder östlicher Pferde-Enzephalitis an die Möglichkeit einer St. Louis-Enzephalitis gedacht werden. Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht keine Meldepflicht für den Nachweis einer akuten St. Louis-Enzephalitis.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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