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Verkehrsunfalls-Risiken in tropischen Entwicklungsländern

Oftmals unterschätzt ist das Risiko für einen Verkehrsunfall bei einem Urlaub in tropischen Urlaubsregionen. Auch bei einem Pauschalurlaub wird nicht selten ein Auto oder Moped für einen Tagesausflug gemietet, mit dem dann "Land und Leute" erkundet werden. Für den Urlauber, der den deutschen Straßenverkehr gewöhnt ist, entpuppt sich das Verkehrsgeschehen in den Tropen oftmals als Alptraum.

In einer Gesamttodesfallstatistik aus 2006, bezogen auf den internationalen Reiseverkehr, rangieren Unfallverletzungen mit ca. 23% an zweiter Stelle nach kardiovaskulären Ereignissen. Bei der Aufschlüsselung der Todesfälle durch Unfälle können 30% dem Straßenverkehr und 7% dem Flugverkehr zugerechnet werden. Im Vergleich dazu werden 10% durch Ermordung, 5% durch Suizid und 6% durch Vergiftungen verursacht. Ertrinken als Todesursache kommt in 15% vor. 

Untersuchungen ergaben, dass der Grund für 30 bis 40% der notfallmäßigen Rücktransporte Verkehrsunfälle waren. Interessant ist auch der Vergleich der Unfalltodesraten in verschiedenen Ländern. In Europa und den USA liegt die Unfalltodesrate bei 2 bis 3 pro 10.000 Kraftfahrer/Jahr. In Vergleich dazu beträgt die Rate in Mexiko bereits 28 und 54 in Guatemala.

Offroad Camp Sylt

Als Hauptfaktoren für das in tropischen Entwicklungsländern erhöhte Unfallrisiko gelten eine unzureichende Gesetzgebung und Umsetzung, ein Mangel bei der Fahrzeugkontrolle hinsichtlich der Verkehrssicherheit, wenig Polizeikontrollen, Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss (dies gilt sowohl für den Urlauber als auch einheimische Verkehrsteilnehmer) und mangelnde Sicherheitsvorschriften. Auch entspricht der Zustand, die Beleuchtung, die Fahrbahnmarkierung der Straßen nicht dem europäischen Standard.

Besonders gefährlich können die Straßen nach heftigen Regenfällen sein, wenn sich plötzlich tiefe Schlaglöcher auch auf Hauptverkehrsstraßen auftun. Durch plötzliches Ausweichen von Schlaglöchern werden hier sehr oft Unfälle mit dem Gegenverkehr verursacht. Entgegen der Annahme gelten nicht Schotter- oder Sandpisten als gefährlich, sondern eher asphaltierte Straßen.

Dies insbesondere deswegen, da auf asphaltierten Straßen oftmals mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren wird. Besonders chaotisch ist der Verkehr in größeren Städten in Entwicklungsländern, wo sich Schubkarren, Ochsenkarren, Fahrräder, Mopeds, Autos, Busse und Lkws die Straßen teilen. Einbahnstraßenregelungen werden dort insbesondere durch  Fahrräder oder Mopeds nicht beachtet. Neben Mietfahrzeugen sind meist Taxis, Kleinbusse und Busse die Unfallfahrzeuge. 

Kommt es zum Unfall, erfolgt am Unfallort nur eine rudimentäre Erstversorgung, sofern überhaupt ein Krankenwagen mit qualifiziertem Personal verfügbar ist. Untersuchungen aus dem Senegal zeigten, dass nur etwa ein Drittel der Verunfallten mit einem Krankenwagen in ein Krankenhaus gebracht werden.

Überwiegend erfolgt der Abtransport der Verletzten durch Privatfahrzeuge. So vergehen oftmals mehrere Stunden bis eine adäquate traumatologische Versorgung erfolgen kann. Generell lässt sich sagen, dass bei einer Organruptur, Höhlenverletzung oder starken Blutung in vielen tropischen Entwicklungsländern nur in städtischen Gebieten überhaupt erfolgversprechende lebensrettende Eingriffe erfolgen können.

Mancher Reisender der seinen Urlaub in einer 5-Sterne-Anlage in Afrika verbringt, ist sich der medizinischen Infrastruktur des Landes und dabei insbesondere der traumatologischen Möglichkeiten meist nicht bewusst, wenn er mit einem Mietfahrzeug die Hotelanlage zu einem Ausflug verlässt.

Bei Mieten eines Pkws sollte die Qualität und Verkehrssicherheit des Fahrzeuges vor Fahrtantritt geprüft werden. Hauptaugenmerk gilt dabei den Bremsen, der Lenkung und der Sicherheitsausstattung. Auf Alkohol sollte der Urlauber grundsätzlich verzichten, da das Fahren, insbesondere bei Linksverkehr eine erhöhte Aufmerksamkeit gefordert ist.

Nachtfahrten sollten vermieden werden, da es hier oft zu Wildunfällen kommt. Zur Vermeidung einer Hepatitis B in Folge einer medizinischen Behandlung sollte der Urlauber unbedingt gegen diese Virusinfektion geimpft sein.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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