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West-Nil-Fieber jetzt auch in Südamerika

Seit der Einschleppung des West-Nil-Virus in die USA im August 1999 verbreitet sich diese Arbovirose zunehmend über den amerikanischen Kontinent. Auslöser dieser panamerikanischen Epidemie war aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen höchst wahrscheinlich ein illegal aus Israel nach New York (Bronx) eingeschmuggelter infizierter Vogel.

Humane Erkrankungsfälle werden seither regelmäßig aus den USA sowie einigen Regionen Kanadas gemeldet. Befürchtungen, dass sich das Virus über die Vogelzüge in der Karibik verbreiten könnte, haben sich zwischenzeitlich bewahrheitet. So wurden bereits auf mehreren Inseln, wie der Dominikanischen Republik, Kuba und den Cayman-Inseln humane Erkrankungsfälle registriert. Aufgrund des Wanderungsverhaltens der Zugvögel wurde zudem angenommen, dass sich das Virus auch nach Südamerika ausbreiten könnte. 

West-Nil-Fieber jetzt auch in Südamerika

In mehreren Regionen Südamerikas kommt der für die Übertragung von West-Nil-Virus notwendige Vektor, Culex pipiens, vor, so dass die entomologischen Voraussetzungen für eine Verbreitung gegeben sind. Wie jetzt erst von den argentinischen Gesundheitsbehörden bestätigt wurde, kam es bereits im März 2006 zu ersten humanen Erkrankungen in den argentinischen Provinzen Cordoba und Chaco.

Die Erkrankungsfälle wurden durch Laboruntersuchungen in Argentinien (Instituto Julio Maiztegui, Pergamino) sowie an den Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta (USA) bestätigt. Da bei den erkrankten Patienten kein Auslandsaufenthalt vorlag, gelten diese Erkrankungsfälle als autochthon erworbene Infektionen. Bereits vor einigen Monaten wurde West-Nil-Virus bei Pferden in Argentinien nachgewiesen, so dass es nur eine Frage der Zeit, wann auch die ersten humanen Erkrankungsfälle nachgewiesen werden würden.  

Aus diesen ersten laborbestätigten autochthonen humanen Erkrankungen in Argentinien lässt sich daher folgern, dass das Virus nach nur 6 Jahren jetzt auch in Südamerika endemisch ist. Dies wiederum erfordert Surveillance-Maßnahmen der Vogel-, Pferde- sowie Mückenpopulation, um Risikogebiete für den Menschen zu identizieren. Gefordert sind daher nicht nur die jeweiligen nationalen Gesundheitsbehörden, sondern auch die Pan American Health Organization. Da neben dem Menschen auch Pferde von dieser Erkrankung betroffen sind, kann diese Infektion zu einem erheblichen Gesundheitsproblem in der equinen Population werden.

Im Gegensatz zum Menschen steht bereits eine Impfstoff für Pferde zur Verfügung. Eine flächendeckende Impfung der Pferde in betroffenen Regionen sollte daher zügig umgesetzt werden, da hierdurch auch eine Amplifikation des Virus reduziert wird. Noch nicht-infizierte Mücken können sich durch ein Blutmahlzeit bei einem erkrankten Pferd während der virämischen Phase der Infektion inzifieren und hierdurch zukünftig zu einer Gefahr für den Menschen werden. Des weiteren ist problematisch, dass das Virus in der Mückenpopulation transovariell auf die Nachkommenschaft übertragen wird.

Da das klinische Bild der Erkrankung in Südamerika noch wenig bekannt sein dürfte, müssen die in den USA und Kanada etablierten Falldefinitionen in den betroffenen Ländern Südamerikas eingeführt werden, um so Verdachtsfälle diagnostizieren zu können. Auch für die Reisemedizin ist die Ausbreitung der West-Nil-Virusinfektion nach Südamerika von Relevanz, da in Zukunft auch mit reiseassoziierten Infektionen aus dieser Region gerechnet werden muss.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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