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Maltafieber im Mittelmeerraum

Das Malta-Fieber (synonym: Mittelmeerfieber, Morbus Bang, Brucellose, Febris undulans) ist durch ein akutes Fieberstadium charakterisiert, das mit wenigen oder fehlenden Lokalsymptomen einhergeht, jedoch oftmals zu einem chronischen Verlauf mit Fieberschüben, Schwäche, Schweißausbrüchen und undefinierten Schmerzen führt. Verursacht wird es durch das gramnegative Stäbchenbakterium Brucella (B.) melitensis.

Unterschieden werden die Biovare Melitensis (Malta-Fieber), Abortus (Morbus Bang), Suis und Canis. Diese Biovare unterscheiden sich in ihren biochemischen Reaktionen, den "outer membrane protein" (OMP)-Mustern, der Wirtsspezifität und der Virulenz. Die humanpathogene Virulenz ist für die Biovare Melitensis am größten, gefolgt von den Biovaren Suis, Abortus und Canis.

Brucellose bzw. Malta-Fieber (synonym: Mittelmeerfieber, Morbus Bang, Brucellose, Febris undulans) ist durch ein akutes Fieberstadium charakterisiert

Der Erreger tritt in den Mittelmeerländern endemisch auf. Diese Infektion wird bisher nur gelegentlich in Deutschland diagnostiziert. So wurden vom Robert-Koch-Institut im Jahr 2003 insgesamt 27 Fälle registriert. An eine Brucellose sollte insbesondere nach Aufenthalt in einem Endemiegebiet sowie bei Patienten, die aus diesen Regionen stammen, gedacht werden. Der Labornachweis einer Brucellose ist nach dem Infektionsschutzgesetz §7 meldepflichtig.

Die Infektion wird durch direkten Kontakt mit Ausscheidungsprodukten infizierter Schafe und Ziegen übertragen. Auch Schweine und Rinder können Reservoir für diese Infektion sein. Eine wichtige Ansteckungsquelle für den Menschen ist der Genuss von nicht-pasteurisierten Milchprodukten infizierter Tiere. Besonders muss hier vor dem Verzehr von Rohmilchprodukten, wie Ziegenkäse oder Schafskäse, gewarnt werden.

Besondere Risikogruppen sind Schäfer, Metzger und Tierärzte. Bei diesem Personenkreis gilt die Brucellose als Berufserkrankung. In seltenen Fällen wurde über die Ansteckung von Mensch-zu-Mensch auch durch Geschlechtsverkehr berichtet. Die Inkubationszeit beträgt etwa 1 bis 5 Wochen. Der Erkrankungsbeginn ist meist akut mit Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Myalgien.

Im weiteren Verlauf ist das Fieber meist undulierend; Phasen mit vorübergehender Remission kommen vor. Die Erkrankungsdauer kann mehrere Monate bis Jahre betragen. Als Komplikationen können eine Osteomyelitis, Spondylitis, Endokarditis, Meningoenzephalitis, granulomatöse Hepatitis, Pneumonie, Orchitis sowie bei Schwangeren ein Abort auftreten.

Insbesondere bei Patienten aus der Mittelmeerregion sowie dem Mittleren Osten, die an einer septischen Arthritis leiden, sollte an die Möglichkeit einer Brucellose gedacht werden. Im Kindesalter verläuft der Morbus Bang meist asymptomatisch, während Malta-Fieber oftmals ein schweres Krankheitsbild verursacht.  Die Anzüchtung der Brucellen erfolgt aus Blut oder Knochenmark unter Verwendung von Spezialnährböden. Auch aus Liquor, Urin oder Gewebebiopsien können die Erreger angezüchtet werden. In einigen Labors steht zudem der Nachweis von bakterieller DNA mittels Nukleinsäure-Amplifikationsmethoden heute zur Verfügung.

Von klinischer Bedeutung ist der Nachweis von spezifischen Brucellen-Antikörper der IgM- und IgG-Klasse mittels Enzymimmunoassay. Die Therapie gestaltet sich bei subakutem oder chronischem Verlauf als schwierig und Rezidive treten häufig auf. Mittel der Wahl ist Doxyzyklin in Kombination mit Gentamicin. Die Behandlungsdauer sollte mehrere Wochen betragen. Alternativ wird Doxyzyklin und Rifampicin empfohlen. Bei Kindern erfolgt die Therapie mit Trimethoprim/Sufamethoxazol.

Auch kann bei Kindern Trimethoprim/Sufamethoxazol mit Rifampicin kombiniert verabreicht werden. Bei der Endokarditis oder Meningoenzephalitis wird Doxyzyklin in Kombination mit Gentamicin und Rifampicin angeraten. Kommt es zum Rezidiv sollte erneut Doxyzyklin eingesetzt werden, da bisher keine Resistenzentwicklung beobachtet wurde. Bei der chronischen Brucellose sollte die Antibiose über mehrere Monate durchgeführt werden. Brucellen gelten auch als Erreger für biologische Waffen, weswegen der Umgang mit diesen Keimen entsprechenden Restriktionen (z. B. in den USA: Antiterrorism and Effective Death Penalty Act) unterliegen.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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