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Expeditions-Medizin: Auf gesundheitliche Risiken vorbereitet sein

Abenteuerreisen bzw. die Teilnahme an Expeditionen erfreuen sich seit Jahren zunehmender Beliebtheit. Die Planung und Durchführung der Reisen obliegt dem jeweiligen Veranstalter, der den Teilnehmer jedoch nur in Maßen auf gesundheitliche Risiken und Prophylaxemöglichkeiten hinweisen kann. Grundsätzlich sind die jeweiligen Gesundheitsrisiken sehr vom Reiseziel, der Reiseart, der der Reisedauer und der Unterbringung abhängig. So bergen Expeditionen durch die Sahara sicher andere Gesundheitsrisiken als Touren durch den Amazonas-Regenwald, Höhen-Trekking in Nepal oder Schlittenhundfahrten in der kanadischen Arktis. Daher ist eine individualisierte reisemedizinische Beratung und ggf. eine Tauglichkeitsuntersuchung rechtzeitig vor Antritt der Reise unbedingt erforderlich.

Zu den wichtigsten Prophylaxemöglichkeiten gehören Impfungen. Neben den Standardimpfungen sind hierbei je nach Reiseziel eine Impfung gegen Hepatitis A, Hepatitis B, Gelbfieber, Tollwut, Japanische Enzephalitis, Meningokokken, Typhus, Influenza und/oder Cholera/ ETEC erforderlich. Des weiteren kann eine medikamentöse Malaria-Prophylaxe oder die Mitführung von Malaria-Präparaten für die notfallmäßige Selbstbehandlung erforderlich sein.

Eines der größten Probleme in der Expeditionsmedizin stellen Durchfallerkrankungen dar, die zur Austrocknung und Schwächung des Reisenden führen. Meist werden Durchfallerkrankungen durch den Genuss von kontaminiertem Wasser oder Speisen verursacht. Ein adäquate Wasserhygiene und ggf. eine entsprechende Aufbereitung ist daher unbedingt erforderlich.

Auch von der belebten Natur können Gesundheitsrisiken ausgehen. Beispiele hierfür sind unter anderem Schlangen, Skorpione, Quallen, Krokodile, Flusspferde, giftige Fische, aber auch Wildtiere. Die von diesen Tieren ausgehenden Gesundheitsgefahren bedürfen in der Regel  einer sofortigen notfallmäßigen Behandlung, die gerade bei Expeditionen in der Regel nicht zur Verfügung steht. Der Reisende muss daher auf die diese Gefahren hingewiesen werden.

Auch giftige Pflanzen können ein Gesundheitsrisiko für den Reisenden darstellen. Hier reicht die Spannbreite von Giftpilzen, über Efeu bis zur Tollkirsche.

Bei Expeditionen in die Bergwelt ist die Höhenkrankheit, die zum Lungenödem oder Hirnödem führen kann, von besonderer Bedeutung. Auch die Temperaturveränderungen wie auch der "Wind Chill"-Faktor sowie die intensivere Sonnenbestrahlung sind hierbei medizinisch relevante Bedingungen. Spezielle Risiken können dabei auch von der Umwelt ausgehen, wie Steinschlag oder Lawinenabgänge.

Auch Tauchgänge bergen Gesundheitsrisiken. Am wichtigsten hierbei sind Tauchunfälle, Barotraumen oder die Caissonkrankheit (Dekompressionserkrankung). Gefahren für Taucher bergen auch Kontakte zu Meeresbewohnern, wie zum Beispiel Haie, Stachelrochen oder Moränen.

Eine besondere Gefährdung stellen Infektionskrankheiten dar. Diese Erkrankungen werden zum Beispiel durch Stechmücken übertragen. Wichtige Beispiele sind neben den Arbovirosen ( wie zum Beispiel Dengue-Fieber, Rift-Valley-Fieber, Chikungunya-Fieber, Mayaro-Fieber) insbesondere parasitäre Infektionen, wie zum Beispiel die Malaria. Weitere Krankheitsüberträger sind Zecken, die zum Beispiel Krim-Kongo-Fieber oder Rickettsiosen übertragen.

Auch durch Fliegen (zum Beispiel Schlafkrankheit) oder Flöhe (zum Beispiel Pest) können schwerwiegende Erkrankungen übertragen werden. Des weiteren sind Nager die Infektionsquelle für Erkrankungen, wie zum Beispiel Lassa-Fieber, Hanta-Pulmonary-Syndrom oder venezolanischem hämorrhagischen Fieber. Auch die durch Kontakt mit in Süsswasser lebenden Schnecken übertragene Bilharziose ist bei Expeditionen von Bedeutung. Infektionen werden auch durch engen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung übertragen werden. Von besonderer reisemedizinischer Bedeutung sind hierbei auch sexuell übertragene Infektionen.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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