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Murray-Valley-Enzephalitis: wichtige Infektionskrankheit in Australien

Die Murray-Valley-Enzephalitis, eine Arbovirose Australiens sowie Papua Neuguineas, ist nicht zuletzt des zunehmenden Tourismus nach "Down Under" auch von reisemedizinischer Bedeutung. Die Erkrankung gilt als eine wichtige Ursache von viralen Affektionen des zentralen Nervensystems auf dem 5. Kontinent. Erst kürzlich wurde ein importierter Fall einer schwer verlaufenden Murray-Valley-Enzephalitis aus Deutschland berichtet.

Das Murray-Valley-Fieber wird durch das gleichnamige Virus verursacht. Der Erreger gehört zur Familie der Flaviviridae und ist antigenetisch eng mit dem West-Nil-Virus verwandt.

Übertragen wird das Virus durch den Stich von Mücken der Gattung Culex. Tierisches Reservoir sind diverse Vögelarten, insbesondere Wasservögel wie Reiher und Pelikane. Besonders häufig lässt sich Virus bei Mücken nachweisen, die ihren Lebensraum in Brackwassergebieten (zum Beispiel Northern Territories) haben. Epidemische Ausbrüche sowie sporadische Infektionen sind möglich.

Nach dem Mückenstich beträgt die Inkubationszeit in der Regel nur wenige Tage. Die Erkrankung beginnt mit plötzlich einsetzenden Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel. Bereits kurz nach dem Erkrankungsbeginn kommt es dann zu den neurologischen Komplikationen, wie der Meningitis oder Enzephalitis. Bei ausgeprägten neurologischen Komplikationen beträgt die Letalität bis zu 20%. Von schweren Verläufen sind insbesondere ältere Menschen betroffen. Residualschäden sind nach dem Überstehen der neurologischen Affektionen häufig.

Die Therapie der Murray-Valley-Enzephalitis erfolgt lediglich symptomatisch und supportiv. Eine spezifische antivirale Therapie steht nicht zur Verfügung. Bei neurologischen Komplikationen bedarf es einer intensivmedizinischen Betreuung.

Die Infektion lässt sich heute üblichweise durch den Nachweis viraler Genome mittels Nukleinsäureamplifikationstechniken im Serum oder Liquor in Referenzlaboratorien bestätigen. Serologische Methoden zum Nachweis von spezifischen Antikörpern der IgM- und IgG-Klasse werden von spezialisierten Labors angeboten. 

Ein aktiver oder passiver Impfstoff steht bislang nicht zur Verfügung. Einzige Prophylaxe ist die Anwendung von Repellenzien in endemischen Gebieten, sowie das Tragen körperbedeckender Kleidung. Durch großangelegte Sprühaktionen mit Insektiziden werden  epidemische Ausbrüche kontrolliert. Zur Vermeidung von Ausbrüchen erfolgen in Australien regelmäßige Untersuchungen der Vektorpopulation auf das Vorhandensein von Murray-Valley-Virus.

Für Reisende, die sich in endemischen Gebieten in Australiens oder Papua Neuguinea aufgehalten haben, sollte beim Auftreten einer Meningitis oder Enzephalitis differentialdiagnostisch neben der Japanischen Enzephalitis oder einer Enterovirusinfektion an die Möglichkeit einer Murray-Valley-Enzephalitis gedacht werden. Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht keine Meldepflicht für den Nachweis einer akuten Murray-Valley-Enzephalitis.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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