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Tularämie bei Jägern, Q-Fieber bei Schäfern

Tularämie (Hasenpest) ist eine seltene Zooanthroponose, die in Nordamerika, Ost- und Nordeuropa beheimatet ist. Gerade mit der zunehmenden Zahl von Jägern gewinnt diese Infektion auch an reisemedizinischer Bedeutung. Hervorgerufen wird Tularämie durch das pleomorphe, gramnegative Stäbchenbakterium, Francisella tularensis. Im Oktober 2005 wurde erstmals eine Tularämie-Erkrankung, die von einem Hamster aus einer Tierhandlung übertragen wurde, aus den USA gemeldet.

Die Erkrankung ist durch eine primäre ulzeröse Läsion, regionale Lymphadenopathie, typhoidalen Symptome, Bakteriämie und/oder Pneumonie charakterisiert. Hauptsächlich sind Jäger, Fleischer, Kürschner, Bauern, aber auch Laborpersonal von dieser Infektion betroffen.

Tierisches Reservoir sind überwiegend freilebende Hasen, Kaninchen und Nager. In diesen Tieren können die Bakterien persistieren, ohne dass dies zum Tod des Wirtstieres führt. Die Aufnahme der Erreger erfolgt beim Menschen über den Genuss infizierter Nahrungsmittel, kutanen Verletzungen oder Inhalation. Von epidemiologischer Bedeutung ist zudem die Übertragung durch verschiedene Zeckenarten.

Auch direkter oder indirekter Kontakt mit infektiösen lebenden oder toten Tieren oder kontaminiertem Staub gelten als Infektionsquelle. Sofern beim Umgang mit infizierten Materialien die Möglichkeit der Aerosolbildung besteht, stellt dies eine hohe Infektionsgefahr dar. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch kommt nicht vor.

Die Inkubationszeit ist vom Infektionsweg und der Inokulationsdosis abhängig und beträgt in der Regel 3 bis 5 Tage. Die Erkrankung beginnt mit abrupt einsetzendem hohen Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit, Erbrechen und Erschöpfungszuständen. Klinisch lassen sich die ulzeroglanduläre (87%), okuloglanduläre (3%), glanduläre (2%) und typhoidale (8%) Verlaufsform unterscheiden.

Bei der ulzeroglandulären Form finden sich die Primärläsionen an den Händen und Fingern. Die okuloglanduläre Form erfolgt meist durch Kontamination des Auges über Läsionen an den Fingern. Bei der glandulären Form, bei der meist die zervikalen Lymphknoten betroffen sind, fehlen kutane Läsionen, so dass hier die orale Aufnahme angenommen werden muss. Die typhoidale Form imponiert als hochfieberhafte Erkrankung, die oftmals von pulmonalen Symptomen begleitet wird.

Nach überstandener Infektion resultiert vermutlich eine lebenslange zelluläre Immunität. Die Diagnostik erfolgt zum einem durch die kulturelle Anzüchtung des Erregers, die nur in spezialisierten Labors erfolgen kann. Alternativ steht der Nachweis bakterieller DNA mittels Nukleinsäureamplifikationsmethoden zur Verfügung. Auch der Nachweis von Antikörpern kann diagnostisch hilfreich sein.

Die Therapie erfolgt mit Streptomycin (i.m.) in Kombination mit Doxycyclin über mindestens 10 bis 14 Tage. Allerdings kommt es unter der Therapie rasch zur Resistenzentwicklung gegen Streptomycin. Für die Rezidivprophylaxe wird Doxycyclin empfohlen. Alternativ kann auch Ciprofloxacin zur Behandlung eingesetzt werden.

In Endemiegebieten sollte unbedingt einen konsequenten Schutz vor Zeckenstichen durch geeignete Kleidung sowie die Anwendung von Repellenzien geachtet werden. Bei Tätigkeiten, die mit einem Risiko einer Ansteckung behaftet sind, wie zum Beispiel Ausweiden von erlegten Hasen bzw. Häuten von kranken Wildtieren, sollten unbedingt Handschuhe getragen werden. In den USA steht für besonders exponierte Hochrisikopersonen ein aktiver Impfstoff zur Verfügung. Nach dem Infektionsschutzgesetz §7 ist der Labornachweis einer akuten Infektion namentlich meldepflichtig.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

© Deutsches Expeditionscamp - expeditionen.de 2007/ 2008

Q-Fieber

Q-Fieber ist eine zoonotische, bakterielle Infektion, die in den letzten Jahren in Deutschland wiederholt Ausbrüche verursacht hat. Aufgrund der Fallmeldungen der letzten Jahre ist davon auszugehen, dass Q-Fieber bundesweit vorkommt und fokal regional Ausbrüche verursacht.

Verursacht wird Q-Fieber durch Coxiella burnetti, einem sich intrazellulär vermehrenden Bakterium. Akutes Q-Fieber wird in der Regel nur serologisch, d. h. durch den Nachweis spezifischer Antikörper nachgewiesen. Dies wiederum setzt voraus, dass der behandelnde Arzt differentialdiagnostisch an Q-Fieber denkt und eine diesbezügliche serologische Untersuchung veranlasst. Zufällige serologische Nachweise von Q-Fieber sind daher ausgeschlossen. Da an Q-Fieber im ärztlichen Alltag nur eher selten gedacht wird, ist davon auszugehen, dass nur ein geringer Teil der Erkrankungen an Q-Fieber überhaupt nachgewiesen und damit zur Meldung kommt. Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht nach §7 nur für den Labornachweis einer akuten Erkrankung eine Meldepflicht.

Im natürlichen Infektionskreislauf spielen Zecken (Ixodes ricinus, Dermacentor marginatus) bei Wald- und Feldtieren eine wichtige Rolle. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt überwiegend aerogen durch Inhalation von erregerkontaminiertem Staub. Als wichtigste Infektionsquelle gelten Schafe bzw. deren Nachgeburt. Auch andere Säugetiere, wie Rinder und Ziegen, können als Übertrager dienen. Eine wichtige Infektionsquelle ist infektiöser Zeckenkot, mit der der Mensch zum Beispiel bei der Schafschur in Kontakt kommt.

Die Inkubationszeit beträgt 9 bis 28 Tage. Asymptomatische Verläufe sind möglich. In den meisten Fällen beginnt die Erkrankung mit Fieber, Kopfschmerzen, Frösteln, Unwohlsein, Myalgien und Brustschmerzen. Klinisch reicht das Spektrum der durch diesen Erreger verursachten Infektion von einer selbst-limitierende fieberhaften Erkrankung bis zur atypischen Pneumonie, Hepatitis, Myokarditis, Enzephalitis. Unbehandelt kann es zu einem chronischen Verlauf kommen. Typische Manifestionsform einer chronischen Infektion ist eine Endokarditis. Bei einer Infektion in der Schwangerschaft kann es zur Frühgeburtlichkeit oder Abort kommen.

Die Therapie erfolgt durch die Verabreichung von Antibiotika. Mittel der Wahl sind  Doxycyclin sowie verschiedene Chinolone. Bei chronischen Infektion wird neben Doxycyclin zusätzlich Rifampicin über mehrere Wochen verabreicht.

Neben beruflich gefährdeten Personen, wie Schäfer, Schlachthofarbeiter sowie Tierärzte, sind auch Menschen, die sich auf Schafweiden aufhalten, für eine Infektion durch Q-Fieber gefährdet. Dies betrifft nicht nur Spaziergänger, sondern auch Jogger, Biker sowie Nordic Walker. Bei unklaren fieberhaften Erkrankungen mit pulmonalen Symptomen sollte bei einer entsprechenden Anamnese stets ein Q-Fieber ausgeschlossen werden. Dies betrifft nicht nur Patienten, die sich in der ärztlichen Praxis vorstellen, sondern auch stationäre Behandlungsfälle.