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Hepatitis-C-Virusinfektion

Die Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) ist eine der häufigsten Ursachen der chronischen Hepatitis, Leberzirrhose und des hepatozellulären Karzinoms. In Deutschland sind nach Untersuchungen des Bundes-Gesundheitssurveys  etwa 0,4% der Bevölkerung mit HCV infiziert. Dies bedeutet, dass in Deutschland mindestens mit einer Zahl von 275.000 Virusträgern gerechnet werden muss. In Europa dürften nach Schätzungen 2 bis 5 Millionen HCV-infizierte Menschen leben.

Hepatitis-C-Virusinfektion

Die Zahl der tatsächlichen Neuinfektionen ist wegen des meist asymptomatischen klinischen Bildes und der fehlenden zeitlichen Zuordnung des Labornachweises im Hinblick auf den Infektionszeitpunkt schwierig zu bestimmen. Die dekompensierte Leberzirrhose als Folge einer chronischen HCV-Infektion stellt inzwischen die führende Indikation zur Lebertransplantation dar. Zwar hat sich die Inzidenz von Neuinfektionen durch Einführung des Anti-HCV-Screenings von Blut und Blutprodukten reduziert, jedoch ist in den nächsten 20 bis 30 Jahren mit einem weiteren Anstieg von Patienten mit Spätfolgen zu rechnen.  

HCV wurde 1989 als häufigster Erreger der posttransfusionellen und sporadischen Nicht-A-Nicht-B-Hepatitis identifiziert. Das Virus wird als einziger Vertreter des Genus Hepacivirus der Familie der Flaviviridae zugeordnet. Basierend auf Sequenzhomologien lassen sich heute 6 Genotypen und mehrere Subtypen unterscheiden. Zwar konnte die genetische Organisation und Polyprotein-Prozessierung von HCV weitgehend geklärt werden, jedoch gelang es bis heute nicht, das Virus in Zellkultur anzuzüchten. Das einzige Tiermodell, in dem die Virusvermehrung untersucht werden kann, stellt der Schimpanse dar. 

Gesichert ist Übertragung von HCV auf parenteralem Weg durch Kontakt mit kontaminiertem Blut. Zwar kann die sexuelle Übertragung von HCV nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, jedoch dürfte dieser Transmissionsweg epidemiologisch nicht von großer Bedeutung zu sein. Auch das Risiko der vertikalen Übertragung ist im Vergleich zu Hepatitis B wesentlich niedriger. Bei Schwangeren mit chronischer HCV-Infektion ist eine Entbindung durch Sectio nicht erforderlich, da hierdurch das Infektionsrisiko des Kindes nicht gesenkt werden kann.

Die Inkubationszeit beträgt zwischen 2 bis 24 Wochen. In der Regel beträgt sie 6 bis 9 Wochen. Nach erfolgter HCV-Infektion ist mit einer Chronifizierungsrate von 50 bis 85% zu rechnen. Die Zeitdauer von der Infektion bis zum Übergang in eine Leberzirrhose beträgt bei natürlichem Verlauf etwa 20 bis 30 Jahre. 

In den letzten Jahren zeichnet sich ab, dass zumindest bei der Therapie Fortschritte zu verzeichnen sind. Aufgrund des natürlichen Verlaufs der chronischen HCV-Infektion mit der Möglichkeit der Entwicklung einer Leberzirrhose und hepatozelluären Karzinoms und der damit assoziierten Morbidität und Mortalität wurden verschiedene therapeutische Strategien evaluiert. Heute gilt die Kombination von Interferon-alpha bzw. pegyliertem Interferon-alpha, das nur einmal pro Woche appliziert werden muss, mit dem Nukleosidanalogon Ribavirin als Therapie der Wahl.

Durch die Kombinationstherapie lassen sich bei vergleichbarem Nebenwirkungsspektrum deutlich höhere Responseraten erzielen. Faktoren, die für ein günstiges Ansprechen auf eine Therapie mit Interferon-alpha sprechen, sind eine Infektion mit Genotyp 2 oder 3, eine niedrige Viruslast und ein geringer Fibrosegrad. Beobachtungen zeigen, dass Personen, die mit dem Genotyp 1b infiziert sind, am wenigsten von der antiviralen Therapie profitieren. 

Die Entwicklung eines rekombinanten Impfstoffs gegen HCV ist durch die hohe genetische Variabilität des Virus erschwert. Trotz großer Anstrengungen ist bis heute kein aussichtsreicher Vakzinekandidat in klinischen Prüfungen. Realistische Fortschritte könnten in den nächsten Jahren allenfalls mit therapeutischen Vakzinen, durch die der Übergang in die chronische Leberentzündung verhindert wird, erzielt werden.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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