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Hämorrhagisches Alkhurma-Fieber: Neue zecken-assoziierte Virusinfektion in Saudi-Arabien

Das hämorrhagische Alkhurma-Fiebervirus (AHFV) wurde erstmals 1995 aus dem Blut eines an einem hämorrhagischen Fieber Erkrankten in Saudia-Arabien isoliert. Seither wurden ca. 40 humane Erkrankungsfälle, die in verschiedenen Regionen Saudi-Arabien, aufgetreten waren, dokumentiert, so dass jetzt davon auszugehen ist, dass es sich bei dieser Infektion um eine endemische Erkrankung handelt. Beim  hämorrhagischen Alkhurma-Fieber handelt es um eine schwere Erkrankung mit einer Letalität von ca. 30%. Als Überträger des Virus konnten Zecken der Gattung Ornithodoros (Lederzecken) identifiziert werden.

Molekulargenetische Untersuchungen zeigten, dass es sich bei diesem Erreger um ein Flavivirus der Familie Flaviviridae handelt. Antigenetisch ist AHFV eng mit dem Kyasanur-Forest-Disease-Virus (KFDV) verwandt, welches ausschließlich im indischen Bundesstaat Karnataka (frühere Bezeichnung Mysore) vorkommt und ebenfalls hochpathogen ist. Bisherige Untersuchungen konnten keinen Nachweis erbringen, dass es sich bei AHFV um ein importiertes Virus aus Indien handelt.

In Analogie zum Rift-Valley-Fieber-Ausbruch in Saudiarabien und Jemen im Jahr 2000, der durch importierte infizierte Tiere aus Somalia verursacht wurde, wäre eine Einschleppung des Virus durch infizierte Tiere aus Indien als Auslöser der Infektion theoretisch vorstellbar. Allerdings zeigen phylogenetische Untersuchungen, dass AHFV und KFDV seit mindestens rund 100 Jahren in genetisch getrennten Regionen endemisch waren, was eine direkte, erst kürzliche Einschleppung weitestgehend ausschließt.

Als Ansteckungsquelle gelten infizierte Ornithodoros savignyi. Stechmücken, die ursprünglich als mögliche Überträger angesehen wurden, konnten ausgeschlossen werden. Als Lebensraum der Zecken, die eng mit Kamelen verbunden sind, gelten Oasen und andere Aufenthaltsorte dieser Nutztiere. Hierdurch ist auch eine Verbreitung über große Regionen innerhalb der Länder Arabiens möglich. Die Zecken sind nachtaktiv. Menschen und Tiere werden meist beim Aufenthalt unter Bäumen von Zecken befallen. Weitere Ansteckungsmöglichkeiten ergeben sich beim Schlachten der Tiere, vermutlich durch Kontakt mit Blut oder Gewebe infizierter Tiere. Epidemiologisch ist zudem von Bedeutung, dass es bedingt durch die hohe Militärpräsenz in Saudi-Arabien hierdurch durchaus zu einer Verschleppung infizierter Zecken kommen kann.

Klinisch kommt es bei den Patienten zu einer fieberhaften Erkrankung mit Hepatitis, Enzephalitis sowie hämorrhagischen Symptomen. Bisherige klinische Beobachtungen gehen von einer hohen Letalität aus. Ob es asymptomatische Verläufe gibt, ist noch nicht bekannt. Aufgrund der hohen Pathogenität des Erregers können Laborarbeiten nur in Einrichtungen der biologischen Sicherheitsstufe-4 durchgeführt werden, weswegen weltweit nur in wenigen Labors mit dem Erreger gearbeitet werden kann. Nach dem Infektionsschutzgesetz §6 und §7 ist der Labornachweis einer akuten AHFV-Infektion namentlich meldepflichtig .

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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