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Histoplasmose: Ansteckung beim Besuch von Höhlen

Als Folge des zunehmenden Tourismus muss auch an die Möglichkeit der Einschleppung von tropischen Pilzerkrankungen gedacht werden. Dabei sind besonders Ausflüge in Höhlen als Expositionsmöglichkeit zu nennen. Häufigster Erreger einer reisemedizinischen Systemmykose ist die Histoplasmose, hervorgerufen durch den dimorphen Pilz, Histoplasma (H.) capsulatum. Erst kürzlich wurde über mehrere Fälle von pulmonaler Histoplasmose bei Personen, die sich in einer Fledermaushöhle auf Kuba aufgehalten hatten, berichtet.

Die Verbreitungsgebiete von H. capsulatum umfassen Nordamerika, Zentralamerika und Südamerika sowie den Vorderen Orient. Eine hohe Durchseuchung der Bevölkerung findet sich insbesondere in der südlichen Mississippi- und Missouri-Region. In Regenwaldgebieten Zentral- und Westafrikas tritt ein andere Histoplasmose-Spezies (H. duboisii) auf, die mit H. capsulatum jedoch eng verwandt ist. Histoplasmen findet sich vor allem im Umfeld von Hühner- und Vogelniststätten sowie Fledermaushöhlen. Die Pilze entwickeln sich im Erdboden insbesondere im Vogel- oder Fledermauskot. 

Die Ansteckung erfolgt durch Inhalation der Pilzsporen (Konidien) meist über erregerhaltigem Staub. Die Schwere der Erkrankung ist auch von der über die Atemweg aufgenommene Menge an Erregern abhängig.

Die Inkubationszeit beträgt etwa 10 bis 20 Tage. Nicht nur  immundefiziente, sondern auch Personen ohne Abwehrschwäche für diesen Pilz empfänglich sind. Die Spektrum der klinischen Symptomatik reicht von asymptomatischen Verläufen, akut fieberhaften pulmonalen Infektionen bis hin zu chronischer Bronchopneumonie. Initial sind Fieber, Husten und Thoraxschmerzen  mit ausgeprägtem Krankheitsgefühl hinweisend. Röntgenologisch zeigt sich in der Thoraxaufnahme ein fleckiges, disseminiertes Lungeninfiltrat.

Eine lymphogene und hämatogene Dissemination mit dem Befall verschiedenster Organe sowie des retiko-endothelialen Systems kommt vor. Klinisch äußert sich dies zum Beispiel als Endokarditis, Meningitis, Anämie sowie durch Hautulzerationen. Selten wird auch eine Meningitis beobachtet. Spontanheilungen  sind möglich. Typisch sind miliare Kalkherdbildungen in den Lungen als Folge der bronchopneumonischen Infiltration. Eine Histoplasmose sollte bei Fieber unbekannter Ursache (FUO) bei Vorliegen einer entsprechenden Reiseanamnese grundsätzlich ausgeschlossen werden. AIDS-Patienten sind für diesen Pilz besonders empfänglich. Asymptomatische Verläufe sind häufig.

Die Diagnose wird durch den Nachweis des Erregers im Blut, Knochenmark oder Sputum kulturell bestätigt. Auch lassen sich die Pilze histologisch im Biopsiematerial nachweisen. Dabei zeigen sich Granulome mit ausgeprägter leukozytärer Infiltration, Verkäsung, Verkalkung und Fibrose. Die Pilzsporen fall en durch einen charakteristischen hellen Hof auf. Der serologische Nachweis von spezifischen Antikörpern kann bei unklaren Erkrankungsfällen durchaus hilfreich sein.

Die Therapie ist zunächst vom Schweregrad der Infektion sowie der Abwehrlage des Patienten abhängig. Insbesondere bei Immundefizienz oder einer Dissemination bedarf es der Verabreichung von Amphotericin B oder Sulfamethoxazol-Trimethoprim. Auch Ketoconazol oder Itraconazol kann versucht werden. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel mehrere Monate.

Beste Vorbeugung ist die Expositionsprophylaxe, d. h. das Vermeiden von Höhlen, die von Fledermäusen bewohnt sind. Bei Personen, die aus beruflichen Gründen Höhlen in endemischen Gebieten aufsuchen müssen, kann das Tragen eines Mundschutzes zur Vermeidung einer aerogenen Inhalation der Pilzsporen sinnvoll sein.

Um als Hausarzt die Verdachtsdiagnose einer Histoplasmose stellen zu können, ist die Erfassung der exakten Reiseanmanese (wie zum Beispiel Besuch von Fledermaushöhlen) notwendig. Nach dem Infektionsschutzgesetz §7, Abs. 2, ist der Labornachweis einer akuten Infektion namentlich meldepflichtig. In Deutschland werden jährlich etwa 1 bis 3 Fälle registriert.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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