Zur Startseite von expeditionen.de


Hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber

Der Verursacher der zecken-übertragenen Infektionskrankheit Krim-Kongo-Fieber (CCHF) ist das hämorrhagische Krim-Kongo-Fieber-Virus (CCHFV), ein zu den Bunyaviridae gehörender Erreger. CCHFV ist nicht nur im östlichen und südöstlichen Europa, sondern auch im Mittleren Osten, Zentralasien und weiten Teilen Afrikas endemisch. Zu den endemischen Gebieten gehören unter anderem auch beliebte Urlaubsländer, wie die Südafrika, Vereinigte Arabische Emirate, Oman und Senegal.

Für die Ausbreitung der Infektion spielen insbesondere ornithophile Hyalomma-Zecken eine wichtige Rolle. Erkrankungen können als sporadische Einzelfälle auftreten oder das Virus verursacht kleinere Epidemien. Regelmäßige Ausbrüche, wie zum Beispiel in den Vereinigten Arabische Emiraten oder Oman, sind meist die Folge von unkontrolliertem Import von infizierten Nutztieren.

Krim-Kongo-Fieber - CCHFV ist nicht nur im östlichen und südöstlichen Europa, sondern auch im Mittleren Osten, Zentralasien und weiten Teilen Afrikas endemisch

Das Virus wird durch den Stich von Zecken der Gattung Hyalomma übertragen. Etwa 30 verschiedene Hyalomma-Arten wurden inzwischen als Überträger identifiziert. Tierisches Reservoir sind zumeist Nutztiere, wie Schafe, Ziegen, Kamele und Rinder. Bei den Tieren verläuft die Infektion meist asymptomatisch. Die Infektion des Menschen erfolgt durch engen Kontakt mit zeckenbefallenen  Tieren. Weitere Ansteckungsquelle ist das Blut oder Fleisch infizierter Tiere. Hierbei kann es zum Beispiel beim Schlachten oder der Zubereitung von frischem Fleisch zu Ansteckungen kommen. Dieser Übertragungsweg spielt insbesondere bei den rituellen Schlachtungen des Islams eine wichtige Rolle. 

Von besonderer Bedeutung ist die nosokomiale Übertragbarkeit des Erregers durch Kontakt mit infektiösem Blut, Urin oder Stuhl von Erkrankten. Die Infektiosität des Patienten nimmt mit zunehmender Schwere der Erkrankung zu. Im finalen Stadium weisen die Patienten eine sehr hohe Viruslast auf. Die Ansteckung des medizinischen Personals dürfte auch durch infektiöse Aerosole erfolgen. Mit zunehmender Passage von Mensch-zu-Mensch nimmt die Pathogenität des Erregers ab. Man nimmt an, dass es bei den Passagen zu einer wirtsspezifischen Attenuierung des Erregers kommt. CCHFV-Epidemien sind daher selbstlimitierend.

Nach dem Zeckenstich beträgt die Inkubationszeit zwischen 5 bis 12 Tage. Die Erkrankung beginnt mit abrupt einsetzendem hohen Fieber, Schüttelfrost, Malaise, Reizbarkeit, Oberbauchschmerzen, Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen. Das Fieber kann gleichbleibend sein oder in manchen Fällen biphasisch verlaufen. Die hämorrhagische Symptome äußern sich  zu Beginn mit Petechien am Gaumen sowie am Rücken. Um den 4. bis 5. Krankheitstag treten massive Hämorrhagien mit Darmblutungen, Hämatemesis und Ekchymosen hinzu. Die Patienten versterben in der Regel am Lungenödem oder Blutungsschock. Die Angaben zur Letalität reichen von 10 bis 80%.

Der Erregernachweis erfolgt heute mittels des Nukleinsäureamplifikationstests, der in Referenzlaboratorien weltweit etabliert ist. Der serologische Nachweis von Antikörpern spielt bei der Abklärung einer akuten Infektion meist keine Rolle. Nach dem IfSG §6 ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod  an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber, meldepflichtig. Der direkte oder indirekte Nachweis einer akuten Infektion mit CCHFV ist nach IfSG §7 meldepflichtig.

Die spezifische Therapie erfolgt mit dem Nukleinsäureanalogon Ribavirin, welches sich in Fallberichten als wirksam erwies. Allerdings liegen keine kontrollierten klinischen Studien am Menschen vor. Entscheidend ist in jedem Fall die frühzeitige Verabreichung der Substanz. Die sonstige intensivmedizinische Behandlung erfolgt supportiv und symptomatisch. Für Personen, insbesondere Urlauber, die sich in CCHFV-Endemiegebieten aufhalten, ist Vorsicht beim Kontakt mit Nutztieren angezeigt. Hier sollte nur solche Kleidung getragen werden, die vor Zeckenstichen sicher ist. Ferner ist die Anwendung von Zecken-Repellenzien angeraten.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

© Deutsches Expeditionscamp - expeditionen.de 2007/ 2008

Geschichte des hämorrhagischen Krim-Kongo-Fiebers

Erste klinische Berichte über dieses hämorrhagische Fieber reichen bis ins 12. Jahrhundert in die Gegend von Tadzhikistan zurück. Beschrieben wurden damals um 1100 tödlich verlaufende Erkrankung, die durch schwersten Hämorrhagien gekennzeichnet waren. In der persischen Medizin dieser Epoche war die Erkrankung bereits gut bekannt und als Therapieempfehlung galt die Verabreichung von Sandalholz-Essenzen. Bereits in der Zeit wurde ein Zusammenhang der Erkrankung mit Zeckenstichen vermutet.

In den 1940er Jahren kam es zu gehäuften Erkrankungen von Bauern und Soldaten auf der Halbinsel Krim. Im Jahr 1956 wurde dann im damaligen Belgisch-Kongo ein Virus aus dem Blut eines erkrankten Kindes isoliert. Die Charakterisierung beider geographisch unterschiedlichen Virusstämme ergab eine Übereinstimmung hinsichtlich der antigenetischen Eigenschaften. Daher wird das Virus seither als hämorrhagisches Krim-Kongo-Fieber-Virus bezeichnet