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HARVARD EXPEDITION - Bestandsaufnahme der Flußblindheit (Onchozerkose) im Kongo 70 Jahre später

Zur Sicherheitslage

Der Bundestag hatte im Jahr 2006 mit großer Mehrheit grünes Licht für den Bundeswehr-Einsatz in Kongo gegeben. Die Bundeswehr hatte rund 2.000 Soldaten zur Absicherung der seit Jahrzehnten ersten freien Wahlen in dem zentralafrikanischen Land am 30. Juli 2007 gestellt. Gut vier Monate lang sicherten Bundeswehrsoldaten als Teil einer UN-Friedenstruppe die Präsidentschaftswahlen in Kongo und zogen Anfang Dezember 2007 wieder ab.

Die Lage in der Hauptstadt Kinshasa hat sich nach schweren bewaffneten Auseinandersetzungen am 22. und 23. März 2007 wieder weitgehend beruhigt. Der Flughafen N’Djili ist wieder geöffnet. Nach Auskunft des Auswärtigen Amtes ist die Sicherheitslage im gesamten Land aber weiterhin fragil. Immer wieder gibt es Unruhen. Der Osten des Landes (Ituri, Nord- und Süd-Kivu) ist nicht befriedet, hier gibt es immer wieder aufflammende Unruhen unterschiedlicher Intensität. Auch in Teilen der Provinz Katanga ist die Lage nicht stabil. In anderen Regionen des Landes kann es zu nicht vorhersehbaren gewalttätigen Unruhen kommen.

Das Auswärtige Amt warnt von Reisen in die Demokratische Republik Kongo (Stand: 27.11.2007).
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/KongoDemokratischeRepublik/Sicherheitshinweis.html
Aufgrund der Unruhen wird diese Expedition bis auf weiteres nicht durchgeführt, die verschiedenen Trainingscamps finden trotzdem statt.

HARVARD EXPEDITION - Bestandsaufnahme der Flußblindheit (Onchozerkose) im Kongo 70 Jahre später

Die Harvard-Expedition

Die Onchozerkose die häufigste infektiöse Ursache für Erblindung weltweit. Circa 20 Millionen Menschen sind von Onchozerkose betroffen und eine halbe Million dadurch bereits erblindet.

Anfang der 30er Jahre hatte Dr. Jean Hiessette, ein belgischer Augenarzt, im Kongo die Verbindung zwischen einer Parasitose durch den Nematoden Onchocerca volvolus und einer Augenentzündung festgestellt. Hissette stellte in einem Onchozerkoseherd am Sankuru/ Belgisch Kongo fest, dass bis zu 20% der Onchozerkosekranken dort blind waren und 50% der Dorfbewohner unter Augenkomplikationen litten. Allerdings zweifelte die belgische Kolonialverwaltung an den Befunden des kleinen Doktors aus dem Kasai.

Die Harvard Expedition mit amerikanischen Tropenmedizinern unter Richard Pearson Strong wurde daraufhin auf Kosten der Belgier organisiert, die die Befunde Hissettes kontrollieren sollte. Dieser reiste mit den Amerikanern nochmals zum Sankuru und bestätigten später schließlich im "American Journal of Tropical Medicine" (1938) alle bereits von Hissette (1932) erhobenen Befunde

Eine sehr interessante Biographie über Jean Hiessette wurde von Professor Delay veröffentlicht. Neuerdings hat Professor Guido Kluxe ein Buch über das Thema herausgegeben (Die Harvard Expedition).

Um die verheerenden Folgen der
Erblindung durch Onchozerkose in unserer Gesellschaft in Erinnerung zu rufen, soll die selbe Reise der Harvard Expedition - 70 Jahre später - wiederholt werden. Diese Reise wird u.a. von Augenärzten und Tropenmedizinern dokumentiert, um das aktuelle Erscheinungsbild der Erkrankung in Zentralafrika darzustellen und mit der medizinischen Situation zur Zeit der Harvard Expedition zu vergleichen sowie Kenntnisse der Tropenaugenheilkunde zu erweitern.

Text: PD Dr. Antonio Bergua, Oberarzt an der Uni-Augenklinik Erlangen (Stand: 2007)

HARVARD EXPEDITION - Bestandsaufnahme der Flußblindheit (Onchozerkose) im Kongo 70 Jahre später

Onchozerkose – Langsame Fortschritte in der Eindämmung

Die Onchozerkose (synonyme Bezeichnungen: Flussblindheit; Onchozerkiasis, Dermatitis nodosa tropica, Onchocerca-Filariose) ist eine chronische Filariose, verursacht durch Onchocerca volvulus. Übertragen wird diese Filariose durch den Stich der Kriebelmücke (Simuliidae, "black flies"). Die Onchozerkose gilt wegen ihrer dermatologischen und/oder ophthalmologischen Symptomatik als die wichtigste Filariose des Menschen in Afrika. Nach Schätzungen muss man von 17 Millionen infizierten und 120 Millionen exponierten Menschen ausgehen.

Die Onchozerkose ist jedoch nicht nur für die infizierten Menschen ein gesundheitliches Problem, sondern hat für die betroffenen Regionen erhebliche Auswirkung auf die landwirtschaftliche Entwicklung, da fruchtbare Flusstäler wegen der Infektionsgefahr nicht bewirtschaftet werden können. Die systematische Bekämpfung der Onchozerkose begann in den 1970er Jahren im Rahmen des Onchocerciasis Control Programme in Westafrika und wird seit 2003 durch das African Programme for Onchocerciasis Control fortgeführt.

Onchozerkose - Verbreitung und Zyklus der Flussblindheit im Kongo

Die Endemiegebiete der Onchozerkose umfassen insbesondere Flußregionen, die von Westafrika bis nach Äthiopien reichen. Auch in Kenia, Tansania und Malawi kommt die Onchozerkose vor. Ferner gibt es endemische Herde im Jemen. Zudem gibt es auch in Mittel- und Südamerika einige Foci.

Bei einer Blutmahlzeit entlässt eine infizierte Kriebelmücke (Simulium ssp.) infektiöse Larven in die Bissstelle. Die so freigesetzten Larven dringen in das Gewebe ein, wo sich aus der Larve nach 1bis 3 Monaten eine adulte Filarie entwickelt. Der Ort der Infektion wird von Bindegewebe umgeben und kann als Knoten (Onchozerkom) ertastet werden. In diesen Knoten lassen sich oftmals mehrere männliche und weibliche Filarien nachweisen. Die Lebensdauer der adulten Würmer kann bis zu 15 Jahren betragen. Die weiblichen lassen sich von männlichen Würmern aufgrund ihrer Länge unterscheiden.

Die Harvard Expedition
Kongo Harvard Expedition

Weibliche Würmer erreichen eine Länge von bis zu 50 cm, während männliche Würmer nur etwa 42 mm lang werden. Mikrofilarien lassen sich sowohl im Bindegewebe, der Haut sowie im lymphatischen Gewebe nachweisen.

Gelegentlich gelingt auch der Nachweis im Sputum, Blut oder Urin. Klinisch imponiert nach einer Infektion zunächst ein Pruritus sowie ein feinpapulöses Exanthem. Auch kann es initial, abhängig von der Eintrittspforte, zu einem Ödem kommen.

Im weiteren Verlauf der Erkrankung kommt es unbehandelt zu einer Lichenifikation, Hautatrophie, fleckiger Depigmentierung (syn. Leopardenhaut) und einer Lymphadenopathie.

Typisch sind hierbei schlaffe Leistenhautfalten mit hängenden Lymphknoten ("hanging groins").

Eine weitere Manifestationsform ist die Onchodermatitis, die sich durch hyperpigmentierte Papeln und Knoten auf der befallenen Extremität äußert. Mikrofilarien können aus der umgebenen Haut in die Augen einwandern und dort den vorderen und hinteren Augenabschnitt befallen, was zur Erblindung führt (Sudan-Blindheit). In seltenen Fällen wurde auch ein Organbefall beobachtet.

Kongo Expedition Übersichtskarte
The Lubilash

Der Nachweis einer Onchozerkose erfolgt durch flache Hautbiopsien (Skin snips) in betroffenen Stellen. In diesen Biopsien lassen sich die Mikrofilarien mikroskopisch einfach nachweisen. Die Differenzierung verschiedener Mikrofilarien-Arten erfolgt ebenfalls mikroskopisch oder mittels Nukeinsäureamplifikations-Methoden.

Die Therapie erfolgt medikamentös und sofern die Knoten zugänglich sind, auch operativ. Zur medikamentösen Therapie wird Ivermectin oral verwendet, welches die Mikrofilarien bereits nach einer Einmalgabe sicher abtötet. Allerdings sollte die Behandlung sicherheitshalber einmal pro Jahr wiederholt werden.

Eine Therapiealternative ist Diäthylcarbamazin. Bei leicht zugänglichen Onchozerkomen bietet sich eine operative Excision an. Bei einem Aufenthalt in endemischen Gebieten ist auf einen konsequenten Schutz vor Mückenstichen zu achten 

Text: Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz, Gelbfieber-Impfstelle, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

Expedition in Belgisch Kongo
expedition im Kongo
Harvard Expedition mit amerikanischen Tropenmedizinern