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Legionärskrankheit: Gefahr lauert in der Warmwasserdusche

Die Legionellose (synonym: Legionärskrankheit, Pontiac-Fieber) wird durch eine Infektion mit dem gramnegativen Bakterium, Legionella pneumophila, hervorgerufen. Bisher sind 14 Serotypen dieses Bakteriums bekannt, die für 90% der Legionellosen verantwortlich sind. Namensgebend für die Erkrankung war ein Ausbruch dieser Infektion bei Teilnehmern einer Tagung der Amerikanischen Legion in einem Hotel in Philadelphia (USA) im Jahr 1976. Seither wurde wiederholt über Infektionshäufungen bei Hotelgästen wie auch unter Klinikpatienten aus mehreren Ländern berichtet.

Legionellen gelten heute als Erreger von ambulant wie auch nosokomial erworbenen pulmonalen Infektionen. Nach epidemiologischen Untersuchungen dürften Legionellen für 2 bis 15% der ambulant erworbenen  Pneumonien verantwortlich, wobei jedoch nur insgesamt 3% der Infektion auch richtig diagnostiziert werden. Als Risikofaktoren für eine Legionellose gelten Rauchen, chronische pulmonale Erkrankungen und Immunsuppression. Für hospital-erworbene Legionellosen sind vorangegangene größere chirurgische Eingriffe oder eine Organtransplantation bekannte Risikofaktoren.

Legionellen sind ubiquitär vorhanden und werden durch Aerosole übertragen. Hierbei spielen insbesondere Duschköpfe, Luftbefeuchter, Sprudelbäder oder ähnliches, durch die kontaminierte Aerosole generiert werden, eine wichtige Rolle. Typische Symptome der Legionellose sind Atemnot und Husten mit spärlichem Auswurf. Ferner treten Kopfschmerzen, Fieber über 40 Grad C, Abgeschlagenheit, Myalgien, Appetitlosigkeit, Durchfall, Erbrechen und abdominelle Beschwerden hinzu. Als Komplikationen kommt es zu Zeichen einer Enzephalopathie mit Bewußtseinstrübung, Verwirrtheit, Konvulsionen und Ataxie. Auch Nieren und Leber können betroffen sein.

Die Diagnostik der Legionellose konnte in den letzten Jahren erheblich verbessert und beschleunigt werden. Während früher die mehrtägige Anzüchtung des Erreger auf Spezialnährböden und der verspätet positiv werdende Nachweis von Antikörper als Grundlage zur Bestätigung der Diagnose diente, stehen heute Antigen-Nachweise im Urin als Schnelltest zur Verfügung. Ferner lässt sich Legionellen-DNA aus dem Urin mittels Nukleinamplifikationstests innerhalb weniger Stunden hochsensitiv nachweisen.

In der Therapie der Legionellose sind intravenös zu verabreichende Makrolide Mittel der Wahl. Nach der Entfieberung kann auf die orale Gabe von Telithromycin, Clarithromycin oder Roxithromyin übergegangen werden, wobei diese mindestens über 3 Wochen durchgeführt werden sollte. Bei schweren Verläufen sowie bei Immunsuppremierten sollte zudem Rifampicin verabreicht werden. Als Alternative in der Therapie können Chinolone, wie Levofloxacin, Moxifloxacin oder Ciprofloxacin, eingesetzt werden.

Viele Hotels und Krankenhäuser haben dem Legionellen-Problem bereits Rechnung getragen und die Wasserversorgung mit den heute empfohlenen Strategien verbessert. Allerdings kann heute von keiner Maßnahme eine 100%ige Wirksamkeit erwartet werden. Dies gilt insbesondere für Hotels in Ländern des Mittelmeerraumes, wo es regelmäßig zu Ansteckung von Urlaubern kommt.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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