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Frühsommermeningoenzephalitis - FSME in Deutschland und Europa

FSME ist auch zunehmend häufige Ursache neurologischer Erkrankungen. In diesem Zusammenhang wird auf die FSME-Verbreitungsgebiete außerhalb Deutschlands verwiesen. Die zahlenmäßig bedeutendsten Infektionsländer waren dabei Österreich und Ungarn.  

Der einzig wirksame Schutz vor einer FSME-Infektion ist die Impfung. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission die Impfung für Personen, die in Risikogebieten wohnen oder dort arbeiten und dabei ein Zeckenstichrisiko haben. Ferner wird die Impfung empfohlen für Personen, die sich aus anderen Gründen in Risikogebieten aufhalten und dabei gegenüber Zecken exponiert sind. Auch bei Reisen oder Aufenthalt in FSME-Endemiegebieten außerhalb Deutschlands ist die aktive Impfung empfohlen. 

In Deutschland stehen Impfstoffe für Kinder, Jugendliche und Erwachsene seit mehreren Jahren zur Verfügung. Die heute verfügbaren Impfstoffe zeichnen sich durch eine sehr gute Verträglichkeit wie auch eine hohe Immunogenität aus. Mit der Grundimmunisierung wird in über 99% eine wirksame Seroprotektion vor einer FSME aufgebaut. Die Zeitpunkte der notwendigen Auffrischimpfungen divergieren in Abhängigkeit des angewendeten Impfschemas. Neben dem konventionellen Langzeitimpfschema stehen zwei Schnellimmunsierungsschemata zur Verfügung.

Die Impfung kann beim Hausarzt oder Impfstellen durchgeführt werden. Werden für eine Reise noch weitere Impfungen (zum Beispiel Hepatitis A, Hepatitis B, Diphtherie, Tollwut) benötigt, ist es nicht notwendig einen Abstand zu vorangegangenen oder noch zu verabreichenden Impfungen einzuhalten.

FSME Verbreitung in Europa

Lyme-Borreliose ist in Deutschland die häufigste durch Zecken übertragene Infektion

Die Lyme-Borreliose ist in Deutschland die häufigste durch Zecken übertragene Infektion. Verursacht wird die Erkrankung durch Bakterien des Genus Borrelia. In Deutschland kommen drei Spezies vor, Borrelia (B.) garinii, B. afzelii und B. burgdorferi sensu stricto. Studien zeigten, dass B. afzelii überwiegend Hautmanifestationen verursacht, während die beiden anderen Spezies mit Arthritiden und neurologischen Komplikationen assoziiert sind.

Die Durchseuchung der Zeckenpopulation reicht von 5 bis 35%. Adulte Zecken sind zu etwa 20%, Nymphen zu 10% und Larven zu 1% infiziert. Nach Beobachtungen kommt es im Schnitt bei 3 bis 6 % der von Zecken gestochenen Personen zu einer Infektion, die sich durch eine Serokonversion zeigt. Klinisch erkranken jedoch nur 0,3 bis 1,4% der Betroffenen. Übertragen werden Borrelien durch den Stich des gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus).

Als Erregerreservoir der Borrelien gelten Nagetiere, Wildtiere (Rehe, Hirsche) und Vögel. Die Erkrankung verläuft ohne Behandlung in drei Stadien. Das Stadium I  ist durch die typische Hautmanifestation, das Erythema migrans, charakterisiert. Als Begleitsymptomatik bestehen Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien, Arthralgien und Lymphknotenschwellungen. Aufgrund der inzwischen großen Bekanntheit der Erkrankung wird sie in den meisten Fällen bereits im Stadium I diagnostiziert und adäquat antibiotisch behandelt.

Das Leitsymptom des Stadium II ist die Meningopolyneuritis. Es kommt dabei zu radikulären Schmerzen, asymmetrischen und unsystematisch verteilten schlaffen Lähmungen, Hirnnervenausfällen (insbesondere: Fazialis-Parese), Meningitis oder Enzephalitis. Des weiteren kann das Herz mit Myo-, Peri- oder Pankarditis beteiligt sein. Selten wird eine Lymphadenenosis cutis benigna beobachtet.  

Das Stadium III ist durch die Lyme-Arthritis und die Acrodermatitis chronica atrophicans charakterisiert. Die Diagnose einer Lyme-Borreliose wird durch die klinische Symptomatik gestellt und durch die Anamnese sowie den serologischen Antikörpernachweis gestützt. Gerade im Stadium I, der häufigsten Manifestationsform der Lyme-Borreliose, sind die serologischen Nachweisverfahren jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig.

Bei etwa 50% der Patienten mit Erythema migrans sind (noch) keine Antikörper nachweisbar. Dies führt immer wieder zu klinisch-diagnostischen Problemen beim Arzt und Patient. Die Therapie der Lyme-Borreliose erfolgt mit Antibiotika: Doxycyclin, Amoxycillin oder Cephalosporine der III. Generation.  

Der beste Schutz vor einer Lyme-Borreliose ist die Vermeidung von Zeckenstichen durch geeignete Kleidung. Auch Repellenzien können Zecken abhalten. Beim Zeckenbefall muss diese umgehend entfernt werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass der Zeckenkörper nicht gequetscht wird, da sonst borrelien-infizierter Darminhalt der Zecke in den Menschen gelangen kann. Impfstoffe gegen Borrelien stehen derzeit und vermutlich auch in den nächsten Jahren in Europa nicht zur Verfügung.

Zeckenschlinge - Zeckenschutz - Zeckenset - Zeckenzange

Zeckenschlinge

Neue, sehr zuverlässige Methode um Zecken zu entfernen. Durch die Schlingentechnik werden die Zecken nicht gequetscht und so erbrechen sie nicht in die offene Wunde (was bei manchen Praktiken, wie zum Beispiel mit Kleber oder Öl bestreichen oder mit den Fingern ausdrehen durchaus passiert).

Auch der Kopf der Zecke wird mit ausgedreht. Das Entfernen ist sehr einfach und schnell möglich - auch bei kleinsten Zecken. Nachher bleibt die Zecke durch die Schlinge gefangen und kann sicher abgetötet werden. Für Mensch und Tier. Nur 6 g leicht und ca. 11,5 cm lang.

Auwaldzecke - Dermacentor reticularis in Deutschland 

Neben der in Deutschland weit verbreiteten Zeckenart, Ixodes ricinus ("gemeiner Holzbock"), die als Überträger der Borreliose und Frühsommermeningoenzephalitis inzwischen zunehmend von hoher medizinischer Relevanz ist, hat sich eine weitere Zeckenart , Dermacentor reticularis (Auwaldzecke), in den letzten Jahren ausgebreitet. Es wird angenommen, dass diese Zeckenart ursprünglich durch Vögel nach Deutschland importiert wurde und sich inzwischen hierzulande stabil etabliert hat.

Auwaldzecken gelten in Südost- und Osteuropa als Überträger der Hasenpest (Tularämie), Q-Fieber, diversen Rickettsiosen sowie des Omsker hämorrhagischen Fiebers. Bei diesen Erkrankungen handelt es zum Teil um schwere, teilweise letal verlaufende Infektionen. Auch für den Hund kann der Stich einer Auwaldzecke gefährlich sein. Als typische canine Erkrankung gilt die Babesiose, die wie Untersuchungen gezeigt haben, deutlich zugenommen hat.

Als Wirtstiere der Auwaldzecke gelten diverse Kleinnager, wie Mäuse und Ratten, sowie Hasen, Wildschweine und Hunde. Die Auwaldzecke unterscheidet sich von Ixodes ssp. durch ihre Größe und ihre Tüpfelung auf dem Rücken. Die adulte weibliche Zecke hat eine Größe von 3 bis 5 mm und kann vollgesogen eine Länge von 20 mm erreichen. Auf dem hellen Rücken dieser Spinnentiere zeigt sich eine braune, streifige Tüpfelung. Die männliche Zecke weist eine blaugraue Zeichnung auf. Im Gegensatz zu Ixodes, deren Beutesuche passiv ist, bewegt sich die Auwaldzecke aktiv auf ihr Opfer zu. Dabei können diese Zecken auf ihre Beute, die sich in einem Abstand von 1 Meter befindet, zulaufen.

Beim Stich einer Auwaldzecke kann es beim Menschen durch die im Speichel bzw. den Speicheldrüsen enthaltenen Neurotoxinen auch zu einem vorübergehenden Unwohlsein kommen. In den USA wurde bereits wiederholt über akute, symmetrische, aufsteigende, schlaffe Lähmungen berichtet, die im Zusammenhang mit einem Zeckenstich durch andere Dermacentor ssp., nämlich Dermacentor andersoni und Dermacentor variabilis aufgetreten waren. Dieses neue Krankheitsbild wird in den USA als "Tick Paralysis" bezeichnet. Das durch den Zeckenstich übertragene Neurotoxin bewirkt eine Reduktion der Aktionspotentiale der Motoneurone sowie der Wirkung des Azetylcholins, was die Lähmungen erklärt. Die klinischen Beschwerden beginnen 4 bis 7 Tage nach dem Beginn des Saugaktes. Die Lähmungen sind aszendierend und nehmen innerhalb weniger Stunden zu.

Typische Symptome sind hierbei zum Beispiel eine Ophthalmoplegie, Dysarthrie und Areflexie. Untersuchungen zeigten auch eine Verlangsamung der Nervenleitgeschwindigkeit. Mit ausschlaggebend für die klinische Symptomatik scheint zudem die Lokalisation des Zeckenstiches zu sein. Ein sensorischer Ausfall ist eher selten. Auch bestehen in der Regel keine Schmerzen. Zu einer Besserung der Symptomatik kommt es innerhalb von 24 Stunden nach der Entfernung der Zecke.

Wird die Zecke nicht entfernt, kann es infolge einer Lähmung des Atemzentrums zum Tod kommen. Nach bisherigen Beobachtungen wird in den USA davon ausgegangen, dass alle Altersklassen betroffen sein können. Über etwaige Residuen nach Zecken-Lähmung liegen keine Untersuchungen vor. Ob auch die in Deutschland vorkommende Auwaldzecke die gleichen neurologischen Beschwerden verursachen kann, ist noch unklar.    

Veterinärmedizinische Untersuchungen am Surrogatmarker "Hundebabesiose" zeigten, dass die Auwaldzecke bereits gehäuft im Raum Magdeburg, Leipzig, Frankfurt/Main, Tübingen, Bonn, Saarland und dem Ruhrgebiet vorkommt. Die Ausbreitungsrichtung ist vom Süden nach Norden. Durch Auwaldzecken übertragene relevante humanpathogene Infektionen wurden bislang in Deutschland nicht beobachtet. Da sich dieser Vektor jedoch inzwischen flächendeckend über Deutschland ausgebreitet hat, besteht daher die theoretische Möglichkeit der Übertragung diverser Infektionen. Aus diesem Grunde sollte bei unklaren Krankheitsbilder differenzialdiagnostisch nach einem Zeckenstich auch die durch Dermacentor reticularis übertragenen Infektionen gedacht werden.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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