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Typhus-Gefahr durch verunreinigtes Trinkwasser und kontaminierte Lebensmittel

Typhus abdominalis wird durch Salmonella (S.) enterica, Serotyp typhi, ein gramnegatives Stäbchenbakterium aus der Familie der Enterobacteriaceae verursacht. Infektionen mit S. typhi kommen weltweit vor. Das regionale Vorkommen ist vom Hygienestandard sowie von der Qualität der Wasserversorgung und des Kanalisationssystems abhängig.

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation muss man von jährlichen 17 Millionen Erkrankungen mit 600.000 Todesfällen ausgehen. S. typhi spielt in Deutschland derzeit immer noch als reisemedizinische Infektion ein Rolle. Pro Jahr werden etwa 100 bis 150 Typhusfälle dem Robert-Koch-Institut mit rückläufiger Tendenz gemeldet. Überwiegend werden diese Infektionen in Ägypten, Indien, Indonesien und der Türkei akquiriert.

Verbreitung von Typhus

Die Übertragung von S. typhi erfolgt fäkal-oral. Häufigste Infektionsquelle sind fäkalverunreinigte Speisen oder kontaminiertes Trinkwasser. Schlagzeilen machte in den USA ein Vorfall vor einigen Jahren, bei dem mehrere Teilnehmer eines Augenärztekongresses in der Folge an Typhus erkrankt waren. Als Ursache ließ sich frischgepresster Orangensaft in einem "5-Sterne"-Hotel ermitteln, der von einem S. typhi-dauerausscheidenden Hilfskoch zubereitet worden war. Der Mensch ist das einzige Reservoir für diese Infektion.

Die Inkubationszeit beträgt in Abhängigkeit von der aufgenommenen Erregermenge etwa 1 bis 3 Wochen. Beim Krankheitsbild unterscheidet man drei Stadien: Prodromalerscheinungen, Fieber-Kontinua und Entfieberung. Die Prodromalerscheinungen sind von uncharakteristischen Symptomen, wie Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit sowie subfebrilen Temperaturen begleitet. Es erfolgt dann ein langsamer Fieberanstieg auf Temperaturen um 40° C.

Die Fieberkontinua dauern 1 bis 3 Wochen. Typisch sind dabei die typhus-spezifischen auftretenden Roseolen. Daneben besteht eine Hepatosplenomegalie, Ikterus, Bradykardie und Delirien. Unbehandelt kann es zu einer Reihe von Komplikationen, wie Darmblutungen, Darmperforation, Cholezystitis, Meningoenzephalitis, Osteomyelitis, Pneumonie, Hepatitis, Pneumonie sowie Herz-Kreislaufversagen kommen. Die Entfieberung erfolgt ab der 4. Woche nach Erkrankungsbeginn. Bei etwa 2 bis 5% kommt es nach der Infektion zur Chronifizierung mit der Folge des Dauerausscheidertums.

Die Therapie des Typhus erfolgt antibiotisch. Wegen seiner ausgeprägten Affinität zur Gallenblase muss bei der Wahl des Antibiotikums auf eine hohe Konzentrationen der Substanz in der Gallenblase geachtet werden. Als Mittel der Wahl gelten Chinolone, insbesondere Ciprofloxacin. Alternativ können nach Resistenztestung auch Cephalosporine sowie Trimethoprim-Sulfamethoxazol sowie Betalaktam-Antibiotika wirksam sein. Hinsichtlich der therapeutischen Möglichkeiten muss auf eine zunehmende Chinolon-Resistenz bei S. typhi-Stämmen aus Südostasien hingewiesen werden. Als Ursache hierfür wird die breite Anwendung von Chinolonen bei der Hühnerzucht angenommen.

Für die Schutzimpfung gegen Typhus stehen zwei prinzipiell unterschiedliche Impfstoffe zur Verfügung. Zum einen ist eine oral zu applizierende Lebendvakzine (Stamm Typ 21a Berna) verfügbar, die dreizeitig im Abstand von 2 Tagen eingenommen werden muss. Wichtig ist die strikte Einhaltung der Kühlkette bei der Lagerung des Impfstoffs zu Hause. Beim der anderen Vakzine handelt es um einen Kapselpolysaccharid-Impfstoff, basierend auf dem Vi-Antigen. Dieser Impfstoff wird einmalig verabreicht. Die Schutzdauer beträgt etwa 3 Jahre. In den letzten Jahren sind zwei Kombinationsvakzinen für die Impfung gegen Hepatitis-A plus Typhus hinzugekommen. Alle verfügbaren Typhus-Impfstoffe sind gut verträglich.

Empfohlen ist die Impfung laut Ständiger Impfkommission für Reisen oder Aufenthalt in Endemiegebieten. Grundsätzlich sollte bei einem Aufenthalt in einem Typhus-Endemiegebiet auf die strikte Einhaltung der Empfehlungen zur Lebensmittelhygiene geachtet werden. Der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod an Typhus ist sowohl durch den behandelnden Arzt wie auch durch das mit der Untersuchung beauftragte Labor gemäß Infektionsschutzgesetz § 6 und § 7 namentlich zu melden.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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