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La-Crosse-Enzephalitis: Wichtige Arbovirose Nodamerikas

Neben dem West-Nil-Fieber und der St. Louis-Enzephalitis gehört die La-Crosse-Enzephalitis mit zu den häufigsten zoonotischen Ursachen viraler Affektionen des zentralen Nervensystems in Nordamerika. Mit dem La-Crosse-Virus verwandte Erreger, das Jamestown-Canyon-, Trivittatus- und Cache-Virus kommen regional vor und können ebenfalls in selteneren Fällen eine Enzephalitis verursachen. Von schwerer verlaufenden klinischen Verläufen der La-Crosse-Enzephalitis sind insbesondere Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren betroffen.

Die La-Crosse-Enzephalitis wird durch das gleichnamige Virus (LAC-Virus), einen zu den Bunyaviridae gehörenden Erreger, verursacht. Als wichtigster Vektor gilt Aedes triseriatus. Das Virus zirkuliert zwischen dieser Mückenspezies und diversen Wirbeltieren als Vermehrungswirte in Hartholzwäldern. Die Mücken übertragen das Virus transovarial auf die Nachkommenschaft. Die Übertragung des Virus auf den Menschen erfolgt durch den Mückenstich

Nach einer Inkubationszeit von 3-7 Tagen beginnt die Erkrankung mit der für eine Arbovirose typischen "sommergrippe-artigen" Symptomatik. Dabei stehen Fieber, Frösteln, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und abdominelle Beschwerden, die etwa über 1-4 Tage andauern, im Vordergrund. Auch kann zu Beginn ein generalisiertes Exanthem auftreten. Die neurologische Symptomatik imponiert mit Benommenheit, Bewusstseinstrübung, Konvulsionen, Sprachversagen, Koordinationsstörungen, Koma und fokalen motorischen Paresen.

In der Regel bestehen die Beschwerden über zwei Wochen. Es kann Residualschäden kommen, wobei hier insbesondere Paresen des Nervus abducens, Hemiparesen, Sprachstörungen sowie Gleichgewichtsstörungen im Vordergrund stehen. Auch bei Patienten mit Enzephalitis beträgt die Letalität <1%. Die Therapie der La-Crosse-Enzephalitis erfolgt symptomatisch und supportiv. Spezifische antivirale Substanzen stehen für die Therapie nicht zur Verfügung.

Die bildgebenden Verfahren, wie CT oder MRT, sind unspezifisch. Im Liquor zeigt sich eine Pleozytose bei unauffälligen Glukosewerten und leicht erhöhtem Protein. Die spezifische Diagnostik erfolgt durch den Nachweis viraler Genome mittels Nukleinamplifikationsmethoden im Serum und/oder Liquor. Auch durch den Nachweis spezifischer Antikörper mittels diverser serologischer Methode lässt sich die Diagnose sichern, wobei hier jedoch Kreuzreaktionen zu anderen Bunyaviridae zu berücksichtigen sind.

Ein aktiver oder passiver Impfstoff gegen LAC-Virus steht nicht zur Verfügung. In endemischen Gebieten bedarf es zur Vermeidung von Mückenstichen der konsequenten Anwendung von Repellenzien sowie des Tragens körperbedeckender Kleidung.

Bei Urlaubern, die sich in endemischen Gebieten Nordamerikas aufgehalten hatten, sollte beim Auftreten einer neurologischer Symptomatik an die Möglichkeit einer La-Crosse-Enzephalitis gedacht werden. Nach dem Infektionsschutzgesetz besteht für den Nachweis einer akuten LaCrosse-Enzephalitis keine Meldepflicht. Sollte es jedoch zu einer örtlichen und zeitlichen Häufung von Infektionen kommen, besteht nach §7 eine Meldepflicht.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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