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Ockelbo´sche Krankheit: Arbovirose Skandinaviens

Bei der reisemedizinischen Beratung bzw. bei Reiserückkehreruntersuchung ist die Kenntnis des Vorkommens bestimmter regionsspezifischer Erkrankung Voraussetzung. Nach Reisen in skandinavische Länder wurden wiederholt Erkrankungen an der Ockelbo´sche Krankheit beobachtet.

Die Ockelbo´sche Krankheit (synonym: karelisches Fieber (Russland), Pogosta Erkrankung (Finnland)) ist durch Fieber, Exanthem und Polyarthralgien gekennzeichnet. Verursacht wird sie durch das Ockelbo-Virus (OCK), ein zu den Alphaviren (Familie: Togaviridae) gehörenden Erreger. Antigenetisch ist OCK sehr eng mit dem Sindbis-Virus verwandt.

Erstmals wurde die Ockelbo´sche Krankheit in den 1960er Jahren beschrieben. Erst 1982 gelang es die Ursache der Erkrankung durch Isolierung von OCK aufzuklären. OCK tritt in Schweden, Finnland und der westlichen Region Russlands (Karelien) endemisch auf. Unklar ist, ob das Virus auch in den baltischen Ländern (Estland, Litauen und Lettland) vorkommt.

Für Urlauber kam es wiederholt, zum Beispiel beim Heidelbeerpflücken oder Pilzsuchen, in den Wäldern Mittel- und Nordschwedens oder Finnlands zu Infektionen durch OCK. Akute Infektionen werden nur zwischen Juli bis September beobachtet. Übertragen wird das Virus durch den Stich von Steckmücken der Spezies Culiseta, Culex und Aedes.

Die Inkubationszeit beträgt maximal eine Woche. Klinisch äußert sich die Erkrankung durch ein Exanthem, Arthralgien und Fieber. Die Erkrankung beginnt mit abrupt einsetzenden Beschwerden. Bei der akuten Erkrankung sind in den meisten Fällen die Sprung-, Knie-, Hand-, Finger- und Schultergelenke beiderseits betroffen. In allen symptomatischen Fällen waren mehr als nur ein Gelenk beteiligt. Bei der Untersuchung fällt die Rötung, Druckschmerzhaftigkeit und Schwellung der befallenen Gelenke auf.

Ein seröser Gelenkserguss kann auftreten. In seltenen Fällen können die arthralgischen Beschwerden über mehrere Monate persistieren. Verläufe mit arthralgischen Beschwerden von 3 bis 4 Jahren wurden berichtet. Wie eine Studie ergab, mussten akut erkrankte Patienten durchschnittlich für 3 Wochen arbeitsunfähig geschrieben werden.

Die Diagnostik der Ockelbo´schen Krankheit erfolgt durch den Nachweis von spezifischen Antikörpern der IgM- und IgG-Klasse gegen OCK. Derzeit steht diese Diagnostik allerdings nur an wenigen Laboratorien in Deutschland zur Verfügung. Die Virusanzucht in Zellkultur oder der Nachweis von viraler RNA mittels Nukleinamplifikationsmethoden sind hingegen in der Regel unnötig. Die Behandlung der Arthralgien erfolgt symptomatisch und supportiv. Die Beschwerden sprechen meist gut auf nicht-steroidale Antiphlogistika an.
Skandinavien-Reisen erfreuen sich großer Beliebtheit.

Für den Urlauber gilt die Empfehlung, insbesondere bei Wanderungen durch Wälder, auf einen konsequenten Mückenschutz durch Repellenzien zu achten und körperbedeckende Kleidung zu tragen. Da die Ockelbo´sche Krankheit in Deutschland bisher nur wenig bekannt ist, sollte der Hausarzt bei Skandinavien-Urlaubern an die Möglichkeit dieser Infektion, gerade bei länger bestehenden Arthralgien, denken.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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