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Risiko für Leptospirose

Die Leptospirose ist eine weltweit vorkommende bakterielle Zoonose. In die Schlagzeilen geriet die Infektion, als Athleten, die am internationalen "Eco-Challenge" im August 2000 auf Borneo teilgenommen hatten, nach Rückkehr in ihre Heimatländer an Leptospirose erkrankten.

Verursacht wird die Leptospirose durch Erreger der Spezies Leptospira (L.) interrogans. Zurzeit werden molekulargenetisch 7 humanpathogene Genospezies unterschieden: L. borgpetersenii, L. inadai, L. interrogans, L. kirschneri, L. noguchii, L. santarosai und L. weilii unterschieden.

In Deutschland wurden im Jahr 2003 offiziell 37 Erkrankungsfälle gemeldet. Man schätzt, dass die tatsächliche Zahl der Infektionen etwa das Vierfache beträgt. Reservoir der Leptospiren sind hauptsächlich Nager (Ratten, Mäuse), die asymptomatisch infiziert sind und die Bakterien zeitlebens mit dem Urin ausscheiden.

Wildtiere sind ein wichtiges Reservoir für die Infektion von Haustieren, wie Hunden und Schweinen, die wiederum in engem Kontakt mit dem Menschen stehen. Der infizierte Mensch spielt hingegen als Überträger keine Rolle.

Die Leptospirose ist in Deutschland eine saisonale Erkrankung mit Häufungen im Sommer und Frühherbst. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Kontakt mit infizierten Tieren bzw. direkten Kontakt mit Nagerurin oder kontaminiertem Süßwasser oder Schlamm. Leptospiren benötigen ein feuchtes Milieu, um in der Umwelt zu überleben. Leptospiren können daher während Freizeitaktivitäten wie Camping, Schwimmen, Bootsfahren oder auch Mountain-Biken erworben werden.

Daneben ist diese Infektion auch für bestimmte Berufsgruppen, wie Kanalarbeiter, Bauern und Veterinäre, von Bedeutung. Für diese Berufsgruppen wird die Infektion auch als Berufskrankheit anerkannt. Ansteckungen wurden in Deutschland auch durch Kontakt mit infizierten Zuchtratten gemeldet, die im Haushalt gehalten wurden.

Grundsätzlich werden bei der Leptospirose die anikterische und die meist schwer verlaufende ikterische Form unterschieden. Die Erkrankung beginnt mit einer uncharakteristischen grippeartigen Initialphase mit Fieber. Typisch sind starke Wadenschmerzen und eine Konjunktivitis oder Iridozyklitis. Nach etwa 5 Tagen kommt es dann zu einer unterschiedlich ausgeprägten Organmanifestation mit Nieren- und Leberbeteiligung, aber auch einer Meningitis.

Dabei steht beim Morbus Weil insbesondere der Ikterus und/oder das akute Nierenversagen im Vordergrund. Die Prognose der Erkrankung hängt zum einen von der Virulenz des Erregers sowie dem rechtzeitigen Beginn der antimikrobiellen Therapie ab. Auch beeinflussen das Alter des Patienten sowie Vorerkrankungen die Prognose.

Die Therapie erfolgt in Abhängigkeit der Schwere der Erkrankung mit Doxycyclin, Ampicillin oder Penicillin G. Die antibiotische Therapie ist umso erfolgreicher, je früher sie beginnt. Ein verzögerter Beginn hat oftmals eine schlechtere Prognose zur Folge. Eine überstandene Leptospirose hinterlässt nur eine serotypen-spezifische Immunität, so dass spätere Infektionen durch andere Serotypen durchaus möglich sind. Bei der Leptospirose ist der Labornachweis einer akuten Infektion nach dem Infektionsschutzgesetz § 7 namentlich meldepflichtig.

Diagnostisch sollte die kulturelle Isolierung aus dem Patientenurin versucht werden, die jedoch nur in Speziallabors durchgeführt wird. Die Leptospirurie kann bei unbehandelten Patienten etwa 4 bis 5 Wochen betragen. In einigen Labors steht inzwischen auch der Schnellnachweis von Leptospiren-DNA aus Urin oder Liquor mittels Nukleinsäureamplifikationsmethoden zur Verfügung. Auch sollte der Nachweis von spezifischen Antikörpern der IgM- und IgG-Klasse mittels Enzymimmunoassay (EIA) durchgeführt werden.

Gerade bei diversen Freizeitaktivitäten (z. B. Camping in Nager-infestierten Regionen) oder beruflicher Exposition (z. B. Kanalarbeiter, Gärtner, Landwirte) kann es in seltenen Fällen zu einer Infektion kommen. Die gezielte Vermeidung von Nagerkontakten ist die beste Prophylaxe.

Zur Vorbeugung gegen diese Infektion steht ein aktiver Impfstoff ("Vaccine leptospire") in Frankreich zur Verfügung, der allerdings in Deutschland nicht zugelassen ist. Dieser Impfstoff kann jedoch im Bedarfsfall bei entsprechender Indikation (AMG §73) über Apotheken bezogen werden.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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