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Loa Loa, Elephantiasis, Flußblindheit und andere Filariosen

Zu den weltweit wichtigen Helminthosen des Menschen werden Infektionen durch die verschiedenen Fadenwürmer gerechnet. Assoziiert sind die diese Infektionen mit einer zum Teil grotesk anmutende Elephantiasis oder der Flussblindheit. Übertragen werden die Nematoden durch Stechmücken oder Bremsen.

Als bedeutsamste Erreger gelten hierbei Wuchereria (W.) bancrofti, Brugia (B.) malayi, Onchocerca (O.) volvulus und Loa loa. Das Vorkommen dieser Nematoden ist auf die Tropen beschränkt. Allerdings gibt es auch im Mittelmeerraum Filariosen, wie insbesondere die Dirofilariose, die selten auch als reisemedizinische Erkrankung beobachtet wird. Die Übertragung der Mikrofilarien erfolgt mit der Blutmahlzeit. Von den adulten Weibchen werden zu unterschiedlichen Tageszeiten Larven ins Blut abgegeben, die zu infektionstüchtigen Stadien heranreifen.

Verbreitung Elephantiasis

Die lymphatische Filariose wird durch W. bancrofti sowie B. malayi verursacht, die in den Tropen weit verbreitet sind. Das Vorkommen von B. malayi ist auf Südostasien beschränkt. Klinisch kommt es bei der akuten Erkrankung zu entzündlichen Veränderungen der Gliedmaßen, der inguinalen Lymphknoten sowie des Skrotums.

Zudem stehen pulmonale Symptome, wie Asthma und Husten im Vordergrund. Im Blut fällt eine ausgeprägte Eosinophilie sowie eine Erhöhung des IgE auf. Bei chronischen Erkrankungen kommt es zum Lymphödem und Elephantiasis an den Gliedmaßen sowie Genitalien. Hierbei spielen auch sekundäre Superinfektionen eine Rolle. Zudem kann es zur Chylurie durch Einbruch von Lymphe in das Nierenbecken oder Harnleiter kommen.

Die Onchozerkose, auch als Flussblindheit bezeichnet, ist eine Erkrankung, die vor allem in Westafrika von Bedeutung ist. Als Infiziert gelten geschätzte 13 Millionen Menschen. Dort gelten bestimmte Regionen als hochendemisch. In den betroffenen Regionen lässt sich die Infektion nur durch konsequenten Einsatz von biologischen Insektiziden in Flüssen, in denen sich der Vektor vermehrt, kontrollieren. Auch kommt die Erkrankung regional in Mittel- und Südamerika vor.

Verursacht wird sie durch O. volvulus, die durch den Stich der Kriebelmücke übertragen wird. An der Eintrittsstelle imponiert zunächst eine juckende und gerötete Papel. In Folge der Wanderung der Nematoden kommt es zur Ausbildung von derben sowie schmerzlosen  Bindegewebsknoten (Onchozerkome), in denen sich adulte Würmer befinden. Beim Befall der Augen kommt es zur Keratitis, Fibrose der Kornea, Katarakt, Iridozyklitis und Glaukom. Oftmals resultiert die Blindheit. Die Onchozerkose gilt als die häufigste Ursache für sekundäre Blindheit in Westafrika.

Die Loa Loa ist in Regenwaldgebieten West- und Zentralafrikas endemisch. Nach Schätzungen sind 12 Millionen Menschen infiziert. Übertragen werden die Fadenwürmer durch tagsüber stechende Bremsen. Für die Erkrankung sind die Kalabar-Beulen typisch, die rezidivierend über mehrere Wochen auftreten können. In diesen Beulen finden sich die adulten Würmer. Als Komplikationen gelten Myokardfibrosen  sowie eine Enzephalopathie. Manchmal lassen sich die Nematoden bei ihrer Passage durch das Auge im Kammerwasser mit der Augenlupe nachweisen.

Für die Therapie erfolgt mit Ivermectin oder Diethylcarbamazin. Auch können chirurgische Maßnahmen sowie Lymphdrainagen notwendig sein.

Bei der Diagnose kann zunächst die ausgeprägte Eosinophilie bei einer entsprechenden Reiseanamnese wegweisend sein. Bei W. bancrofti, B. malayi sowie Loa Loa lassen sich die Erreger im Blutausstrich mikroskopisch nachweisen, wobei dies von der Tageszeit abhängig ist. O. volvulus lässt sich bei der augenärztlichen Untersuchung nachweisen. Für die verschiedenen Filariosen stehen serologische Methoden zum Nachweis von spezifischen Antikörpern zur Verfügung. In einigen Laboratorien wurde zudem der Nachweis von Genomen mittels Nukleinsäureamplifikationsmethoden etabliert.

Als Prophylaxe sollte in endemischen Gebieten auf konsequenten Schutz vor Mückenstichen geachtet werden. Hierzu sollte tropentaugliche Kleidung getragen werden. Wichtig ist zudem die Anwendung von Repellenzien.

Text: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Laboratoriumsmedizin, Medizinischer Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg

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